Berufsunfähigkeit: Verweisbarkeit nur bei vergleichbaren Berufen

Berufsunfähigkeitsversicherung: Verweisbarkeit unterliegt Grenzen

Immer wieder verweigern Versicherer ihren Kunden die vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente. Das Argument: Der Versicherte sei noch in der Lage, einen anderen Beruf auszuüben. Diese Verweisbarkeit, geregelt in den jeweiligen Vertragsbedingungen, darf aber nicht wahllos erfolgen.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Verweisbarkeit unterliegt GrenzenBerufsunfähigkeit: Verweisbarkeit nur bei vergleichbaren Berufen

Hinsichtlich Verweisbarkeit auf andere Berufe regeln viele Verträge, dass dem Versicherten andere Tätigkeiten zumutbar sein müssen. Als zumutbar gilt, was der Betroffene aufgrund seiner bisherigen Ausbildung und Erfahrung leisten kann. Dabei ist auch seine konkrete Lebensstellung zu beachten. Laut Landgericht Coburg (Az. 11 O 480/05) sind beim Vergleich der jeweiligen Berufsbilder Wertschätzung, Einkommen und Aufstiegschancen zu berücksichtigen.

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Verweisbarkeit auf vergleichbare Berufsbilder beschränkt

Im konkret entschiedenen Fall arbeitete der Kläger als Elektriker. 2003 hatte er eine Lebensversicherung mit Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BUZ) abgeschlossen. Nach einem Bandscheibenvorfall verlangte er die Zahlung der vereinbarten Berufsunfähigkeitsrente. Der Versicherer verweigerte jedoch die Leistung aus diversen Gründen. Unter anderem wollte er den Versicherten auf folgende Berufe verweisen: Hausmeister, Montierer, Baumarktfachverkäufer, Mitarbeiter im Autoverleih oder Copyshop- und Mailcenter oder Platzwart.

Im darauffolgenden Gerichtsprozess bestätigte ein Sachverständiger, dass der Kläger nicht mehr wenigstens zu 50 Prozent als Elektriker arbeiten kann. Hinsichtlich der Verweisbarkeit auf andere Berufe folgte das Landgericht ebenfalls dem Gutachter: Es bewertete die genannten Berufe als unzumutbar und verhalf dem Kläger somit zu seiner Berufsunfähigkeitsrente.

Ober- und Untergrenze für Vergleichsberufe sind zu beachten

Die Rechtsprechung stellt Ober-und Untergrenzen für zulässige Anforderungen an den Beruf des Versicherten auf: Obergrenze sind die bisherigen Kenntnisse und Fähigkeiten, die nach Ausbildung und konkreten Erfahrungen vorliegen. Wichtig für die Untergrenze sind die erreichte Lebensstellung mit Wertschätzung, Einkommen und Aufstiegschancen.

Die Richter lehnten unter Berücksichtigung dieser Grenzen, die im konkreten Fall durch den bisherigen Beruf als Elektriker gesetzt wurden, die Verweisbarkeit ab: Als Hausmeister oder Montierer könne der Kläger wegen der Benutzung von Leitern oder bestimmter Körperhaltungen nicht arbeiten. Der Verkäuferberuf sei unzumutbar, da der Versicherte bisher keinerlei Verkaufstätigkeiten ausgeübt habe. Ebenso fehlten bei allen Berufen die Aufstiegsmöglichkeiten wie Meistertitel oder Studium. Und mit der Wertschätzung, die man als Elektroinstallateur erfahre, könnten Berufsbilder wie Platzwart oder Mitarbeiter im Copyshop nicht mithalten.

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