Ablehnungen: Sind Berufsunfähigkeits-Versicherer besser als ihr Ruf?

Berufsunfähigkeitsversicherung: Ablehnungen seltener als angenommen

Berufsunfähigkeits-Versicherer sind möglicherweise besser als ihr Ruf. Zu diesem Resultat kommt das Analysehaus Franke & Bornberg. Dieses konnte kürzlich zumindest einigen Anbietern gründlich auf den Zahn fühlen. Die Ergebnisse stehen im Widerspruch zu Meldungen, nach denen BU-Versicherer immer häufiger berechtigte Ansprüche der Kunden ablehnen.

In den Medien häufen sich seit Jahren die Horrorberichte. Von willkürlichen Ablehnungen durch die Versicherer bis hin zu systematischen Verschleppungen ist die Rede. Auch die Objektivität der beauftragten Gutachter wird stark angezweifelt. Der Branchenverband GDV reagierte im Jahr 2013 mit einer eigenen Untersuchung. Ergebnis: Alles im grünen Bereich. 98 bis 99 Prozent der Fälle würden reibungslos abgewickelt, so der Verband. Der Verbraucher fragt sich zu Recht: Wem soll man nun glauben?

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Keine systematische Verweigerung oder Verschleppung

Die heftige Medienschelte an Berufsunfähigkeits-Versicherern veranlasste das Analysehaus Franke & Bornberg, einmal ganz genau hinzuschauen. Allerdings ließen sich nur sieben Versicherer in die Karten schauen. Die Ergebnisse können also nicht für die ganze Branche sprechen. Dennoch liefern sie wertvolle Hinweise.

Wichtigste Erkenntnis: Die untersuchten (!) Unternehmen leisten bei Berufsunfähigkeit schneller und bereitwilliger als vielfach vermutet. Eine systematische Leistungsverweigerung ist nicht festzustellen. Ebenso wenig fanden die Analysten Anhaltspunkte für eine regelrechte „Verschleppungstaktik“ der Anbieter.

Wer hat den schwarzen Peter?

Im Jahr 2012 stellten Kunden rund 22.000 Anträge auf Leistungen für Berufsunfähigkeit. In fast jedem dritten Fall floss anschließend kein Geld. Vier von zehn Ablehnungen sind medizinisch begründet. Doch ebenso häufig liegt der schwarze Peter bei den Kunden selbst. Viele füllen den Fragebogen einfach nicht aus – ein Teil sicherlich aus Überforderung, da diese Bögen sehr umfangreich sind. Andere ziehen den Antrag zurück – vielleicht weil die Erkrankung sich als nicht dauerhaft herausstellte.

Relativ selten landet eine Ablehnung vor Gericht. Nur etwa drei Prozent aller Berufsunfähigkeitsfälle werden juristisch entschieden. Kunden setzen sich dabei nur selten durch: Nicht einmal jeder Fünfte kann einen juristischen Sieg davontragen. Dafür gewinnen die Versicherungen ein Drittel der Fälle. Rund die Hälfte der Ablehnungsfälle endet mit einem Vergleich.

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Berufsunfähigkeits-Versicherer brauchen 180 Tage für eine Ablehnung

Die Untersuchung ging auch dem Vorwurf nach, die Branche beschäftige „Gefälligkeitsgutachter“. Die Analysten konnten keine Anhaltspunkte für diese These finden. Die Versicherer suchten die Gutachter offenbar vorrangig danach aus, wie nahe sie am Wohnort des Kunden wohnten. Eine auffällige Häufung von Fällen bei wenigen Gutachtern war nicht zu erkennen.

Fazit: Die Analyse von Franke & Bornberg konnte ein paar schwarze Flecken von den Westen der Berufsunfähigkeits-Versicherer entfernen. Dennoch kein Grund zum Jubeln: Auffällig wenige Anbieter haben bei der Studie mitgemacht. Und selbst die teilnehmenden Gesellschaften arbeiten trotz einiger Verbesserungen immer noch zu langsam. Bis zu einer Anerkennung dauert es durchschnittlich 160 Tage, bis zu einer Ablehnung sogar rund 180!

Auch die Antragsformulare sind nahezu unmenschlich umfangreich. Mehr Transparenz ist auch hier gefordert. Und schließlich ist es kein Ruhmesblatt für die Branche, dass sich nur sieben Unternehmen an der freiwilligen Offenlegung ihrer Daten beteiligten. Umso wichtiger wird damit die Rolle unabhängiger Berater, die ihre Pappenheimer genau kennen.

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