Berufsunfähigkeitszusatzversicherung zahlt nicht bei Formschwäche

Sogar „volle Erwerbsminderung“ beeindruckt Berufsunfähigkeitszusatzversicherung wenig

Eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung zahlt nicht automatisch, wenn die Deutsche Rentenversicherung Bund bereits eine Rente wegen voller Erwerbsminderung gewährt. Diese leidvolle Erfahrung musste eine Krankenschwester machen, die an einer beschleunigten Herzfrequenz litt. Das Landgericht Bielefeld gab dem BU-Versicherer Recht, der keinen Anlass für die Zahlung einer Berufsunfähigkeitsrente sah (Az.: 1 O 115/07).

Die Klägerin, eine Krankenschwester, besaß eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung, die mit einer Kapital-Lebensversicherung kombiniert war. Seit 2006 litt die Angestellte unter deutlich beschleunigter Herzfrequenz mit Luftnot, insbesondere bei Belastungen. Ihre Leistungsfähigkeit war dadurch deutlich eingeschränkt. Sie wurde arbeitsunfähig krankgeschrieben und erhielt ab 2007 eine Rente wegen voller Erwerbsminderung bei der Deutschen Rentenversicherung Bund. Zugleich beantragte sie Leistungen aus ihrer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung.

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Berufsunfähigkeitszusatzversicherung verweigerte Rentenzahlung

Die Berufsunfähigkeitszusatzversicherung zahlte der Antragstellerin 3.600 Euro – aus Kulanz, wie dabei betont wurde. Weitere Zahlungen wollte der Versicherer auch später nicht mehr leisten; zwischenzeitlich hatte er nämlich zwei Gutachten eingeholt, die keineswegs auf eine Berufsunfähigkeit hindeuteten. Darüber hinaus könnte die Krankenschwester, so der BU-Versicherer, auch noch anderweitig arbeiten, zum Beispiel als Arzthelferin.

Damit wollte sich die Krankenschwester aber nicht zufriedengeben. Sie zog vor Gericht und klagte auf Zahlung einer Berufsunfähigkeitsrente. Insbesondere wies sie darauf hin, dass sie bereits eine Rente wegen voller Erwerbsminderung erhalte. Vor dem Landgericht Bielefeld blitzte sie allerdings ab.

Formschwäche statt Berufsunfähigkeit

Den Richtern lag ein neues medizinisches Gutachten vor. Der von anderen Ärzten ins Feld geführte Verdacht auf eine Herzmuskelentzündung sei danach nicht mehr haltbar, konstatierte das Gericht. Laut Gutachten war das Herz der Klägerin gesund und bedurfte nur eines gewissen Trainings. Leichtes Ausdauertraining in Kombination mit der Einnahme eines Beta-Blockers würden die gesundheitliche Situation der Klägerin deutlich verbessern, führte der Gutachter aus. Auf diese Weise könnte die Krankenschwester sogar wieder voll ins Arbeitsleben integriert werden.

Für das Landgericht Bielefeld war die Sache damit klar: Der Anbieter der Berufsunfähigkeitszusatzversicherung war nicht verpflichtet, der Klägerin eine BU-Rente zu gewähren.

Der Fall zeigt, dass Berufsunfähigkeitsversicherungen keinesfalls automatisch zahlen, wenn von anderer Seite bereits eine Rente wegen voller Erwerbsminderung bezogen wird. Die Versicherer prüfen jeden einzelnen Fall ganz genau, bevor sie ihren Zahlungsverpflichtungen wegen Berufsunfähigkeit nachkommen.

Über Berufsunfähigkeitsversicherungen als Einzel- oder Kombiprodukte beraten unabhängige Experten. Viele Verträge beinhalten Klauseln, die für Kunden ungünstig sein können; deshalb lohnt sich die Inanspruchnahme eines Fachmanns.

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