Betriebliche Altersvorsorge: „Öko-Test“ findet Mängel

Laut Öko-Test kann betriebliche Altersvorsorge zum Minusgeschäft werden

Die Zeitschrift Öko-Test nahm Angebote im Bereich „betriebliche Altersvorsorge“ unter die Lupe: Nach den Recherchen des Magazins war das Testergebnis enttäuschend. Viele Tarife versprechen Sicherheit, können aber nicht einmal das eingezahlte Kapital garantieren. Doch ist die Situation wirklich so besorgniserregend?

Öko-Test wählte für die Untersuchung einen 55-jährigen männlichen Kunden als Musterbeispiel. Er wandelt 175 Euro Bruttoentgelt in Betriebsvorsorge um und geht mit 65 Jahren in Rente. Die Auswahl gerade eines männlichen Kunden ist nicht zufällig: Ab Ende 2012 dürfen auch im Bereich der Entgeltumwandlung nur noch Unisex-Tarife angeboten werden. Für Männer werden die Beiträge tendenziell sinken, bei Frauen eher gleich bleiben; die betriebliche Altersvorsorge wird für das starke Geschlecht damit interessanter.

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Hat die betriebliche Altersvorsorge etwas zu verbergen?

Im Test waren insgesamt 184 Tarife der besonders beliebten Durchführungswege „Direktversicherung“ und „Pensionskasse“. Dabei standen sowohl klassische als auch fondsgebundene Tarife auf dem Prüfstand.

Auffällig war die hohe Zahl der Testverweigerer: 39 Direktversicherer und 15 Pensionskassen wollten nicht dabei mitmachen, wenn die betriebliche Altersvorsorge einmal auf Herz und Nieren geprüft werden sollte. Wenn immer möglich, bemühte sich die Zeitschrift laut eigenen Angaben um eine verdeckte Ermittlung der Informationen.

Sollte die hohe Verweigerungsquote etwas mit dem Testergebnis zu tun haben? Laut Öko-Test stellte sich nämlich Erstaunliches heraus: Die betriebliche Altersvorsorge ist nicht so gut wie ihr Ruf.

Öko-Test: bis zu 1.967 Euro Minus möglich

Das nüchterne Ergebnis von Öko-Test: Es gibt deutliche Mängel. Nach den Analysen garantieren 82 Prozent der Pensionskassen nicht einmal den Kapitalerhalt. Bei den Direktversicherungen sind es sogar 85 Prozent. Beide Werte beziehen sich auf Angebote mit klassischer Anlagepolitik, also ohne Fonds.

Im Klartext bedeutet das: Wer betriebliche Altersvorsorge betreibt, könnte ein Minusgeschäft machen. Im Einzelfall lag das Garantiekapital bis zu 1.967 Euro unter den Gesamteinzahlungen (21.000 Euro). Nur wenn die Anbieter ordentliche Überschüsse erwirtschaften, entgehen die Kunden diesem Horror.

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Testergebnisse blieben nicht unwidersprochen

Nach der Veröffentlichung dieser alarmierenden Ergebnisse von Öko-Test erhob sich kräftiger Gegenwind. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) kritisierte unter anderem, dass Öko-Test sich besonders auf einen 55-jährigen Musterkunden konzentriere; die kurze Ansparzeit erhöhe das Risiko gegebener Garantien bei dieser älteren Sparergruppe.

In der Tat veröffentlicht Öko-Test auf seiner Internetseite lediglich die Ergebnisse für einen 55-jährigen Kunden; nur gegen Entgelt sind die Resultate für einen 30-jährigen Musterkunden abrufbar, bei dem die Bilanz deutlich besser ausfällt. Andererseits gilt aber auch: Die veröffentlichten Ergebnisse basieren auf realen Angeboten. Da wird Kunden offensichtlich etwas Falsches versprochen – und das darf nicht sein. Daraus folgt: Die Anbieter sollten ihre Tarife überprüfen und die betriebliche Altersvorsorge für jeden ihrer Kunden gleichermaßen sicher gestalten – oder im Zweifelsfall gar kein Angebot machen, wie es viele Unternehmen bereits handhaben.

Auch Arbeitgeber in der Pflicht

Wird die betriebliche Altersvorsorge für den Arbeitnehmer zum Minusgeschäft, kann das auch für den Arbeitgeber erhebliche Konsequenzen haben. Der Arbeitgeber ist gesetzlich verpflichtet, seinen Mitarbeitern bei der Entgeltumwandlung ein „wertgleiches“ Angebot zu machen; das eingezahlte Kapital muss dabei erhalten bleiben. Je nach den Umständen kann der Arbeitgeber sogar zum Schadensersatz herangezogen werden..

Nüchtern betrachtet müssen also alle Beteiligten – Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Versicherer – größtes Interesse an einer Verbesserung der Situation haben. Vielleicht sollten sich die Anbieter an einigen Tarifen orientieren, die laut „Öko-Test“ mit einer positiven Rendite aufwarten können. Beispiele hierfür sind die Tarife „ARLEP/mGH 2012“ von BVV und die BauRente ZukunftPlus S1-4 von Soka-Bau.