Billig-Tarife in der PKV: Test zeigt Schattenseiten

Finanztest: PKV-Billig-Anbieter haben Tarife mit Leistungslücken

Super Leistungen gibt es – das sagt schon der gesunde Menschenverstand – nicht zu Billigpreisen. Keine Versicherung kann – vor allem auf Dauer – Tarife anbieten, die laut Finanztest bei der Konkurrenz oft ein Mehrfaches kosten. Und im anspruchsvollen Leistungssegment der PKV geht das schon gar nicht.

Finanztest: PKV-Billig-Anbieter haben Tarife mit LeistungslückenBillig-Tarife lohnen in der privaten Krankenversicherung nur selten.

Eines ist unbestritten: Qualifizierte ärztliche Leistungen und medizinischer Fortschritt sind teuer. Das alles muss von der Versichertengemeinschaft bezahlt werden. Und genauso sicher ist: Kein Arzt wird für einen Versicherten die Rechnung billiger machen, weil der Patient Kunde eines besonders günstigen PKV-Anbieters ist. Daraus folgt schlüssig, dass besonders billige Tarife in der PKV einen Haken haben. Die Zeitschrift Finanztest brauchte nicht lange zu suchen: Der Haken heißt Leistungslücke.

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In Einzelfällen lohnt sich billiger PKV-Tarif

Im Test fanden sich in vielen billigen PKV-Verträgen Bestimmungen, die Kunden in absehbarer Zeit graue Haare wachsen lassen dürften. Kein Wunder: Wie sollen auch für 60 oder 80 Euro Monatsbeitrag typische PKV-Leistungen wie freie Arzt- oder Krankenhauswahl finanziert werden? Umgekehrt: Bei garantierten guten Leistungen, wie etwa Erstattung von Arzt- und Zahnarzttarifen mit mindestens dem 3,5-fachen Satz, kommt beispielsweise laut Finanztest ein 35-jähriger selbständiger Neukunde kaum unter 400 Euro monatlich weg.

Selbständige mit geringem Einkommen oder Existenzgründer fahren zumindest anfangs mit der PKV nicht so schlecht. Ein gesetzlich versicherter Existenzgründer mit geringem Einkommen zahlt derzeit immerhin den Mindestbeitrag von 226 Euro monatlich – einschließlich Pflegeversicherung und Krankengeld ab 43. Tag. Wer schon länger selbständig ist, muss mit rund 100 Euro mehr rechnen. Mancher denkt da über billige PKV-Tarife nach. Er muss aber wissen: Auch wenn PKV draufsteht, müssen längst nicht die üblichen PKV-Leistungen drin sein.

Billigtarife nur mit Abstrichen

Die Stiftung Warentest listet typische Einschränkungen auf, mit denen bei „Billigheimern“ gerechnet werden muss:

  • Arzt: Statt freier Arztwahl muss der Versicherte oft erst zu einem Allgemeinarzt gehen. Anderenfalls drohen ihm Arztrechnungen, auf denen er teilweise sitzenbleibt.
  • Krankenhaus: oft nur solche mit Kassenverträgen. Außerdem Mehrbettzimmer und Behandlung durch diensthabenden Arzt, nicht Chefarzt.
  • Zahnarzt: Zahnersatz wird beispielsweise nur mit 65 Prozent ersetzt. Forderungen bei der Versicherung für Inlays oder Implantate gehen ins Leere.
  • Sehhilfen: Brillen oder Kontaktlinsen werden nicht bezuschusst.
  • Medikamente: Werden statt Generika teure Originalpräparate gewählt, muss der Patient sich selbst beteiligen an den Kosten.
  • Heilpraktiker: Keine Kostenübernahme. Auch ambulante Psychotherapie ist in den Bedingungen oft ausgeschlossen, ergab der Test.

Ohne Zweifel: Das alles liest sich wie eine Leistungsbeschreibung der gesetzlichen Krankenkassen – und im Wesentlichen ist es das auch. Günstige Tarife in der PKV können kaum mehr leisten als die gesetzliche Kasse. Die Tarife mögen dann niedrig sein – die Leistungen sind es aber mit Sicherheit auch, zumindest im Vergleich zu einer hochwertigen PKV-Absicherung.

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Tückischer Selbstbehalt im Test

Im Test tummelten sich zahlreiche billige Tarife, die einen hohen Selbstbehalt vorsehen. Das darf nicht unterschätzt werden: Vor allem im fortgeschrittenen Alter nehmen die Krankheitskosten meist deutlich zu. Dann wird der Selbstbehalt immer häufiger aktuell – und reißt ein zusätzliches Loch ins Budget. Bei den gesetzlichen Kassen beispielsweise liegen die jährlichen Krankheitskosten laut Finanztest bei rund 2.400 Euro. Da kann sich auch ein PKV-Versicherter mit hoher Selbstbeteiligung ausrechnen, dass ein billiger Tarif plötzlich sehr teuer werden kann. Wer kühl kalkuliert, teilt den Selbstbehalt durch zwölf und schlägt das Ergebnis dem Monatsbeitrag zu.

Bei Arbeitnehmern kommt hinzu, dass sich der Arbeitgeber am Beitrag beteiligt – nicht jedoch an der Selbstbeteiligung. Die trägt der Arbeitnehmer nämlich ganz alleine. Bei Selbständigen kann die Rechnung anders aussehen, da er ohnehin alle Beiträge allein zahlen muss.

Für alle gilt aber: Ein vereinbarter Selbstbehalt kann nachträglich nicht mehr reduziert werden – selbst im Falle einer ernsthaften Erkrankung.

Fazit: Erst Beratung – dann Abschluss

Scheinbar günstige, weil billige Tarife sollten also sehr genau unter die Lupe genommen werden. Finger weg heißt es vor allem, wenn Arzthonorare auf weniger als den 3,5-fachen Satz begrenzt werden oder Zahnbehandlungen nur bis zu einer jährlichen Höchstgrenze erstattet werden. Auch der Ausschluss von Zahnersatz wie Kronen, Brücken oder Prothesen ist äußerst bedenklich.

Fachkundige Beratung vor dem Abschluss einer PKV-Versicherung kann vor späterem Schaden schützen. Versierte Fachleute kennen Versicherungsverläufe aus Erfahrung sehr genau und wissen, was auf Versicherte später zukommen kann.

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