Europäischer Gerichtshof: Unisex-Tarife in allen Versicherungen

Ab 2013 stöhnen die Männer unter höheren Versicherungstarifen

Für Männer wird’s teurer: Ab 2013 werden Unisex-Tarife für Versicherungen verbindlich. So will es der Europäische Gerichtshof. Die aktuellen Sterbetafeln gelten dann nicht mehr für die Beitragsberechnung. Die Meinungen über die neuen Bestimmungen gehen auseinander.

Ab 2013 stöhnen die Männer unter höheren VersicherungstarifenEuropäischer Gerichtshof: Unisex-Tarife in allen Versicherungen

Diskriminierung der Männer, trompeten die einen. Längst überfällige Gleichstellung der Geschlechter, kontern die anderen. Fakt ist: Ab 2013 werden die neuen Tarife auf jeden Fall kommen. Konkret bedeutet das eine Anhebung der Beiträge für Männer – zum Beispiel bei Lebensversicherungen oder privaten Krankenversicherungen. Im Umkehrschluss werden die Frauen geringere Beiträge als derzeit zahlen.

„Gleichberechtigung“: Ab 2013 bekommen Frauen mehr aus der Rentenversicherung als Männer

Manfred Poweleit vom Map-Report ist sich sicher: Das Urteil des Europäischen Gerichtshofes ist eine offene Diskriminierung der Männer. Der Experte hat errechnet, dass der zukünftige Vorteil der Frauen bei sage und schreibe 42 Prozent liegt.

Die Rechnung ist im Falle einer Rentenversicherung ganz einfach: In einem ausgewählten Beispiel erhalten Männer wie Frauen 300 Euro Monatsrente nach 50.000 Euro Einzahlungen. Die Lebenserwartung laut der geltenden Sterbetafel 2007/2009 beträgt bei Männern 77,33 Jahre, bei Frauen 82,53 Jahre. Beim Rentenbeginn mit 65 Jahren erhält der Mann – statistisch gesehen – 12,33 Jahre lang Geld, die Frau 17,53 Jahre lang. Das sind 44.388 Euro gegen 63.108 Euro. Die Frau hat dann 18.720 Euro mehr – was den besagten 42 Prozent entspricht.

Ähnliche Rechnungen ließen sich für die privaten Krankenversicherungen aufmachen. Die niedrigere Lebenserwartung der Männer wird ihnen bei Neuabschlüssen dann nicht mehr zugute kommen wie bisher in Form niedrigerer Tarife.

Höhere Tarife bedeuten: Schnelles Handeln

Viele Experten argumentieren allerdings gegen die Thesen von Poweleit. Ihrer Meinung nach ist die Gleichstellung von Mann und Frau im Versicherungsbereich längst überfällig. Denn eines steht fest: Der Unterschied Mann/Frau ist zurzeit der einzige Faktor bei der Tarifgestaltung, der durchgängig von allen Unternehmen berücksichtigt wird.

Es könnten aber – so viele Kritiker – auch andere statistisch relevanten Daten herangezogen werden: Reichtum, Eigenheimbesitz, Lage des Wohnortes usw. Nach solchen Merkmalen differenzierten Gruppen könnten klar unterschiedliche Tarife zugewiesen werden; dies wird jedoch – zumindest bei Rentenversicherungen oder PKV – nur von einzelnen Unternehmen umgesetzt. Als einziges Unterscheidungsmerkmal für unterschiedliche Tarife also das Geschlecht zu wählen, erscheint vielen als zu willkürlich.

Dass aber seit einiger Zeit ein Umdenken erfolgt, wird an anderer Stelle deutlich: Riester-Verträge werden bereits seit 2006 nur noch als Unisex-Tarife angeboten. Die Regierung war damit den europäischen Neuregelungen bereits vorgeprescht.

Was heißt das alles nun für den Kunden? Ganz einfach: Männer, die zum Beispiel über den Abschluss einer privaten Rentenversicherung nachdenken, sollten sich sputen. Noch haben sie vergleichsweise günstige Tarife zur Auswahl – aber bald wird sich das ändern.

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