Finanztest: Berufsunfähigkeitsversicherung im Test

Finanztest findet zahlreiche „sehr gute“ Berufsunfähigkeitsversicherungen

Finanztest hat wieder einmal Berufsunfähigkeitsversicherungen auf den Prüfstand gestellt. Wichtigstes Ergebnis: Die Prüfer fanden zahlreiche sehr gute BU-Versicherungen. Das Niveau sei in den letzten Jahren stetig gestiegen. Auch für Verbraucher mit geringem Budget haben die Verbraucherschützer Tipps parat.

Berufsunfähigkeitsversicherungen sind in mehreren Varianten erhältlich. Unter der Bezeichnung „SBU“ laufen sie als selbstständige Verträge. Eine „BUZ“ hingegen steht für Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung: Dabei hat der Kunde zugleich eine Risikolebensversicherung.

Von einer weiteren Kombination rät Finanztest allerdings ab: Eine Kapitallebensversicherung mit BU-Schutz ist meist unnötig teuer. Viele Verträge sind außerdem intransparent und können weitere Nachteile beinhalten: Wer – zum Beispiel aus finanziellen Gründen – seinen Vertrag kündigen muss, verliert im gleichen Zuge die wichtige Absicherung seiner Arbeitskraft.

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„Abstrakte Verweisung“ ade!

Da lacht das Auge des Versicherungskunden: Sage und schreibe 58 Tarife beurteilte die Zeitschrift Finanztest in ihrer Ausgabe 7/2013 mit der Bestnote „sehr gut“. Weitere 16 Tarife erhielten ein "Gut“ oder „Befriedigend“. Schlechtere Noten gab es nicht.

Die Branche hat offenbar ihre Hausaufgaben gemacht. Für Kunden besonders nachteilige Klauseln wurden fast komplett über Bord geworfen. Hierzu zählt insbesondere die „abstrakte Verweisung“: Sie erlaubt es Versicherern, den Kunden auf eine andere Tätigkeit als seinen bisherigen Job zu verweisen – selbst wenn der Arbeitsmarkt das gar nicht hergibt.

Auf diese Weise stahlen sich in der Vergangenheit viele Versicherer aus ihrer Verantwortung: Sie zahlten keine Berufsunfähigkeitsrente, obwohl Betroffene nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten konnten.

Wichtige Merkmale einer guten Berufsunfähigkeitsversicherung

Die von Finanztest gefundenen „sehr guten“ Angebote zeichnen sich durch wichtige Pluspunkte aus. Außer dem Verzicht auf abstrakte Verweisung bewertete die Zeitschrift weitere Vertragsmerkmale positiv:

  • Sechs-Monate-Prognose: Anerkennung der Berufsunfähigkeit bereits dann, wenn ein Arzt sie für „voraussichtlich sechs Monate“ prognostiziert.
  • Rückwirkende Leistung in den ersten sechs Monaten: Der Versicherer wartet bis zu sechs Monate auf eine sichere Diagnose und zahlt gegebenenfalls rückwirkend eine BU-Rente.
  • Rückwirkende Leistung für mindestens drei Jahre: Der Versicherer zahlt rückwirkend bis zu drei Jahren (oder länger), wenn der Kunde seine Berufsunfähigkeit verspätet meldet.
  • Nachversicherungsgarantie: Bei wichtigen Anlässen (wie Heirat, Geburt oder höherem Einkommen) können Versicherte ihren Schutz erhöhen – ohne erneute Gesundheitsprüfung.
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    Lieber sparen als ganz verzichten

    Eins steht für Finanztest fest: Der Preis sollte nicht die erste Geige spielen. Entscheidend ist die Qualität. Allerdings: Bevor jemand ganz auf den wichtigen Schutz einer Berufsunfähigkeitsversicherung verzichtet, sollte er lieber Einsparpotentiale prüfen. Sparen ist auf jeden Fall das geringere Übel gegenüber einem Totalverzicht auf jeden Schutz.

    Die wichtigsten Tipps für Sparfüchse:

    • Berufsunfähigkeitsversicherung so früh wie möglich beginnen,
    • jährlich zahlen (statt monatlich),
    • eine geringere BU-Rente vereinbaren,
    • Laufzeit senken (60. statt 67. Lebensjahr),
    • Alternativen prüfen (Erwerbsunfähigkeitsversicherung) und
    • jeden Berufswechsel melden (Berufsgruppe kann günstiger werden).

    Finanztest findet sehr guten Schutz ab 300 Euro jährlich

    Wer die Tipps beherzigt, kann den wertvollen Schutz für einen erträglichen Aufwand erhalten. Eine Arzthelferin bekommt für rund 300 Euro im Jahr bereits einen sehr guten Schutz, der 1.000 Euro Rente beinhaltet. Finanztest fand diese Konditionen bei der „Europa“, Tarif SBU-Vorsorge Premium E-B1.

    Ein Industriemechaniker kann eine Rente von 1.500 Euro vereinbaren, ohne sich finanziell zu verausgaben: Die HanseMerkur offeriert eine der besten SBU-Policen im Test zu einem moderaten Jahresbeitrag von rund 700 Euro. In beiden Fällen endet die Laufzeit mit dem 60. Lebensjahr.

    Am günstigsten wird es für den Diplomkaufmann. Dieser relativ risikolose Beruf erhält optimale Konditionen zu sehr tragbaren Preisen. Für eine Laufzeit bis 67 und eine BU-Rente von 2.000 Euro zahlt der Diplomkaufmann bei der „Hannoversche“ etwa 1.000 Euro Jahresbeitrag. Darin ist sogar noch eine Todesfallsumme von 12.000 Euro enthalten (Comfort BUZ-Plus).

    Fazit: Die Konditionen von Berufsunfähigkeitsversicherungen sind mittlerweile zumeist kundenfreundlich. Gleichwohl variieren BU-Tarife sehr stark in Beiträgen und Leistungen. Als Verbraucher sollte man vor dem Abschluss daher in jedem Fall einen erfahrenen und unabhängigen Experten hinzuziehen.