Finanztest: Tarifwechsel in der PKV muss erkämpft werden

Zeitschrift Finanztest fand viele Hürden bei einem PKV-Tarifwechsel

Private Krankenversicherer müssen den Kunden bei einer Beitragserhöhung darauf hinweisen, dass er den Tarif wechseln darf. Allen über 60-jährigen Kunden müssen sogar explizit Tarife genannt werden, die für einen Wechsel geeignet sind. Soweit die gesetzlichen Fakten! – In der Realität unterlaufen aber viele Anbieter in der PKV immer wieder die gesetzlichen Regelungen zum Tarifwechsel, wie „Finanztest“ belegen kann.

Zahlreiche Kunden, die einen Tarifwechsel wünschen, beißen bei ihrem PKV-Anbieter auf Granit. Die meisten Finanztest-Leser berichten davon, dass ihre Wünsche erst einmal abgewimmelt wurden: Von 75 antwortenden Lesern erhielten 65 Leser den gewünschten Tarifwechsel gar nicht oder zumindest nicht auf Anhieb. Bei den erfolgreichen Wechslern lag die monatliche Ersparnis dann immerhin zwischen 100 und 500 Euro – die Einsparmöglichkeiten sind also enorm. Die Frage ist: Müssen Wechselwillige jeden Abwehrversuch ihres Versicherers hinnehmen? Die Antwort darauf gibt das Versicherungsvertragsgesetz.

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Tarifwechsel in der PKV ist gesetzlich geregelt

Im Paragraph 204 des Versicherungsvertragsgesetzes steht es ganz genau. Danach dürfen Kunden jederzeit vom Versicherer verlangen, in einen anderen Tarif mit gleichartigem Versicherungsschutz zu wechseln. Die zuvor gebildeten Rückstellungen fürs Alter bleiben dabei erhalten. Ebenso bleiben alle anderen Rechte bestehen, die aus dem bisherigen Vertrag erworben wurden.

Vielen Versicherten ist nicht bekannt, dass sie sogar in Tarife wechseln können, die im Neugeschäft gar nicht mehr angeboten werden. Keiner muss sich also abwimmeln lassen mit der fadenscheinigen Begründung, nur neue Kunden würden den Tarif XYZ erhalten..

Sind Kunden über 60 Jahre alt, müssen die Unternehmen ihnen auch Tarife nennen, die im vergangenen Geschäftsjahr die höchste Zahl an Neuzugängen hatten. Sogar der fällige Tarifbeitrag muss angegeben werden: Das Tarifwechselrecht aus dem Jahr 1994 macht’s möglich – beziehungsweise sollte es möglich machen, denn die Wirklichkeit sieht nach wie vor anders aus.

Dichtung und Wahrheit

Laut Finanztest sind viele PKV-Unternehmen sehr erfinderisch, wechselwilligen Kunden einen Strich durch die Rechnung zu machen. Zwei Beispiele illustrieren, was Kunden erwarten kann, die ihr gutes Recht auf einen Tarifwechsel einfordern:

  • „Leider müssen Sie sich einer erneuten Gesundheitsprüfung unterziehen!“ Finanztest dazu: Nur Mehrleistungen des neuen Tarifs gegenüber dem alten Tarif rechtfertigen eine Gesundheitsprüfung. Risikozuschläge und Wartezeiten sind lediglich für Mehrleistungen erlaubt. Ausnahmen bestehen nur für schon früher vorhandene Krankheiten, die mit einem besonders geringen (oder gar keinem) Risikozuschlag bewertet wurden.
  • „Wir haben keine Tarife mit gleichartigem Versicherungsschutz!“ Finanztest dazu: Das stimmt meistens nicht. Besaß ein Kunde eine Versicherung für ambulante, stationäre und zahnärztliche Heilbehandlung, so kann er bei seinem Versicherer grundsätzlich in jeden anderen Tarif wechseln, der diese Leistungsbereiche abdeckt..
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Finanztest: Nicht sparen um jeden Preis

Angesichts oft rasant steigender PKV-Beiträge im Alter ist es nachvollziehbar, dass insbesondere ältere Kunden durch einen Tarifwechsel Geld sparen wollen. Doch Finanztest warnt vor allzu großem Spareifer: Gerade im Alter werden viele Leistungen eher benötigt als in jungen Jahren. Es macht also wenig Sinn, genau dann auf wertvolle Leistungen zu verzichten.

Ein Ausweg kann die Erhöhung des Selbstbehalts sein. Doch auch diese Maßnahme ist mit Vorsicht zu genießen: Im höheren Lebensalter steigt das Risiko, dass der vereinbarte Selbstbehalt auch ausgegeben werden muss. Dann ist die scheinbare Ersparnis wieder dahin.

Fazit: Wem der PKV-Beitrag zu teuer wird, sollte seinen Versicherer nach einem günstigeren Tarif fragen. Dabei muss er eine gehörige Portion Hartnäckigkeit mitbringen. Klappt der gewünschte Tarifwechsel nicht, nützt häufig die Androhung einer Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde (www.bafin.de). Auch der PKV-Ombudsmann ist eine Anlaufstelle für Beschwerden (www.pkv-ombudsmann.de).

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