Altersvorsorge für Selbstständige: gesetzliche Rente oft unterschätzt

Gesetzliche Altersvorsorge für Selbstständige interessant

Selbstständigen stehen drei Arten von Rentenversicherungen offen: gesetzliche, private und Rürup-Rente. Es lohnt sich, alle drei Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Für manchen dürfte vor allem eins neu sein: Die gesetzliche Rente steht gar nicht so schlecht da wie oftmals vermutet. Für viele Selbstständige ist sie eine interessante Form der Altersvorsorge.

Die drei Arten unterscheiden sich unter anderem durch die Finanzierung. Die gesetzliche Rente unterliegt in Deutschland der so genannten Umlagefinanzierung: Die heutigen Einzahlungen der Versicherten finanzieren die aktuellen Renten der Beitragsempfänger. Im Gegensatz hierzu steht das Prinzip der Kapitaldeckung. Hier werden die Beiträge angelegt, um spätere Ansprüche befriedigen zu können. Das dafür benötigte Geld wird durch die Beiträge und deren Erträge „abgedeckt“. Private Rentenversicherungen funktionieren genauso nach diesem Prinzip wie die Rürup-Rente.

Tarif-Check Altersvorsorge

Die besten Produkte von mehr als 40 Anbietern im Vergleich!

Kostenloser Infoservice:
Tarif-Vergleich Altersvorsorge anfordern …

Gesetzliche Rentenversicherung pfeift auf …

Als umlagefinanzierte Form leidet die gesetzliche Rentenversicherung nicht allzu sehr unter den aktuellen Entwicklungen auf den Kapitalmärkten. Die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken schadet ihr weniger als den kapitalgedeckten Vorsorgeformen. Diese „Immunität“ ist – derzeit – ihr Pfund, mit dem sie wuchern kann. Welche Chancen ergeben sich daraus – beispielsweise für Selbstständige, die bei ihrer Altersvorsorge meist mehr Wahlfreiheit haben als Arbeitnehmer?

Selbstständige, die nicht ohnehin gesetzlich pflichtversichert sind (wie zum Beispiel Künstler), sollten einmal genau nachrechnen. Vor allem die mögliche Steuerersparnis. Denn was man jahrzehntelang beim Finanzamt spart, könnte bei der Endabrechnung das Zünglein an der Waage sein.

… Niedrigzinsen, die private Rentenversicherung stöhnt dafür umso mehr

Betrachtet man nur die Höhe der erwarteten Nettorente im Alter, steht zunächst einmal die private Rentenversicherung am besten da. Vor allem die Hoffnung auf eine kräftige Überschussbeteiligung bringt die Augen zum Leuchten. In Aussicht gestellte Gesamterträge übertreffen – auf dem Papier – regelmäßig die Hochrechnungen der anderen Rentenarten.

Die Überschussbeteiligungen sind allerdings in Zeiten niedriger Zinsen eine unsichere Angelegenheit. Außerdem bietet die private Versicherung während der (meist langen) Ansparphase keine Steuervorteile. Da nützt es auch nichts, dass in der Auszahlphase die Besteuerung sehr niedrig ausfällt: Unterm Strich lässt die private Rentenversicherung beim Ertrag Federn. Sie ist also nicht zwingend die ideale Altersvorsorge für Selbstständige, als die sie oft beworben wird.

Vorsorge-News jetzt auch bei
Facebook, Twitter & Google+
+++ Berufsunfähigkeit & Dienstunfähigkeit: Übersicht aller Beiträge – Seit +++ Altersvorsorge: Indexfonds schlagen Rentenversicherung & Co. +++ Berufsunfähigkeitsversicherung: sinnvolle Kriterien für die Auswahl +++

63.000 Euro vom Finanzamt

Als lohnende Altersvorsorge für Selbstständige sind Rürup-Rente und/ oder gesetzliche Rente gute Alternativen. Zwar sind die Steuern in der Auszahlphase höher als bei der privaten Rentenversicherung. Dafür können Sparer ihre laufenden Einzahlungen steuerlich geltend machen. Das summiert sich über die Jahre.

Finanztest hat errechnet, dass Sparer bei Monatsbeiträgen von 300 Euro in 30 Jahren etwa 25.000 Euro vom Finanzamt zurückerhalten. Bei 600 Euro monatlicher Einzahlung sind es sogar über 63.000 Euro. Selbstständige können sich so noch ein zusätzliches Polster für die Altersvorsorge verschaffen.

Fazit: Die „Gesetzliche“ punktet bei der Altersvorsorge für Selbstständige

Die gesetzliche Rentenversicherung ist nicht nur aufgrund ihrer Sicherheit und der Höhe der Auszahlung konkurrenzfähig. Sie bietet weitere Vorteile, die bereits eingeschlossen sind:

  • Hinterbliebenenschutz,
  • Reha-Leistungen sowie
  • Anrechnung von besonderen Zeiten (Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit, Erziehungs- und Pflegezeiten).
Grundsätzlich kann jeder Selbstständige die gesetzliche Rentenversicherung zur Altersvorsorge nutzen. Ansprüche entstehen aber erst nach einer Mindestversicherungszeit von fünf Jahren („Wartezeit“). Dabei zählen nicht nur freiwillige Beiträge oder Pflichtbeiträge, sondern auch die genannten „besonderen Zeiten“ wie Arbeitslosigkeit oder Erziehung. Die Regelung stellt also normalerweise keine unüberwindliche Barriere dar.

Welche Altersvorsorge im konkreten Fall die beste ist, lässt sich oft nur individuell ermitteln. Krankenversicherung, Einkommen bzw. Gewinnhöhe, Vermögen, Familienstand und andere Faktoren spielen dabei eine Rolle. Am besten wenden sich Selbstständige an unabhängige Fachleute, die übersichtliche Beispielrechnungen erstellen.