GKV: Kostenerstattungstarife sollen Leistungsniveau anheben

GKV-Kostenerstattung für Patienten oft schwer kalkulierbar

Kassenpatienten sollen mehr Einfluss auf das Leistungsniveau medizinischer Behandlungen bekommen. Ermöglicht wird das durch die Kostenerstattungstarife der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Dadurch werden gesetzlich Versicherte bei Therapie und Abrechnung wie Privatpatienten eingestuft. Ihre Arztrechnung müssen sie dann aus eigener Tasche bezahlen. Anschließend erstattet die Krankenkasse ihnen einen Teil der Kosten.

Laut Gesetz muss die Behandlung von Kassenpatienten nach wirtschaftlichen und zweckmäßigen Gesichtspunkten erfolgen. Viele GKV-Versicherte wünschen sich jedoch bessere Behandlungschancen. Der Kostenerstattungstarif mit dreimonatiger Mindestbindung soll ihnen diese Option eröffnen. Benötigen sie eine Behandlung, kann ihr Arzt alle Therapiemöglichkeiten ausschöpfen, da er Leistungen nach der Gebührenordnung für Privatpatienten taxiert. Das Arzthonorar zahlen Kassenmitglieder in diesem Tarifmodell selbst, ehe sie die Rechnung bei ihrer Krankenkasse einreichen. Das Problem: Patienten wissen oft nicht im Voraus, welche Kosten ihre Kasse am Ende übernimmt.

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Grundlagen des Kostenerstattungstarifs

Eigentlich sollte das Kostenerstattungsmodell der GKV für die Versicherten verständlich und transparent gestaltet sein:

  • kurze Mindestlaufzeit von drei Monaten,
  • freie Wahl des Versorgungsbereichs (Arzt, Zahnarzt, Krankenhaus) und
  • mögliche Anwendung des Modells auf Medikamente und Heilmittel.
In der Praxis ergibt sich oft aber ein Problem, das aus den unterschiedlichen Berechnungsgrundlagen für eine Behandlung resultiert: Der Arzt lässt sich seine Leistungen nach der Gebührenordnung für Privatpatienten vergüten. Die Krankenkassen jedoch erstatten nur die niedrigeren Leistungsätze für gesetzlich Versicherte.

Patienten bleiben auf Kosten sitzen

In der Praxis können die unterschiedlichen Abrechnungssysteme im GKV-Kostenerstattungstarif zu einer unvermuteten finanziellen Belastung der Versicherten führen. Der Grund: Es entsteht eine Differenz bei der Abrechnung, die letztlich von den Patienten ausgeglichen werden muss.

Über den Eigenkostenanteil müsste der Arzt seinen Patienten eigentlich im Konsultationsgespräch vor Beginn der Therapie informieren. Versäumt er das jedoch, wird der Kostenerstattungstarif für Verbraucher intransparent und unkalkulierbar. Versicherte erfahren erst bei der Abrechnung mit ihrer Krankenkasse, dass sie auf einem Gutteil der Behandlungskosten sitzen bleiben.

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Wahltarif in GKV umstritten

Der Kostenerstattungstarif ist aufgrund des ggf. hohen Eigenkostenanteils für die Patienten innerhalb der GKV nicht unumstritten. Die Barmer Ersatzkasse beispielsweise bietet den Tarif zwar an. Sie informiert ihre Versicherten jedoch ebenfalls über die möglichen finanziellen Belastungen: Im Schnitt müssten sie nach Berechnungen aus vergangenen Jahren zwei Drittel einer Behandlung aus eigener Tasche bezahlen.

Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) sehen das Tarifmodell angesichts dieser Zahlen äußerst kritisch. Ihr Urteil fällt klar aus: „Die Versicherten haben nichts davon“, glaubt Udo Barske vom AOK-Bundesverband. Die Ortskrankenkassen haben den Tarif wegen des hohen Kostenrisikos nicht in ihr Wahl-Programm aufgenommen.

Private Krankenversicherungen bieten Alternativen

Wenn Kassenpatienten am Ende einer Therapie ihrer Krankenkasse die Rechnung präsentieren, zeigt sich oft genug: Der Kostenerstattungstarif ist teurer als erwartet. Doch bekommen Versicherte für die Mehrkosten wenigstens mehr Leistung? Das kommt im Einzelfall auf den behandelnden Arzt und die Art der Krankheit an. Fest steht: Mit dem Wahltarif erhalten Mitglieder der GKV keinesfalls automatisch den Status von Privatpatienten.

Wenn Sie sicher gehen wollen, dass Sie von den höheren Leistungen einer privaten Krankenversicherung (PKV) profitieren können, haben Sie eine Alternative: Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen und ihre Angehörigen können Zusatzversicherungen bei einem der fast 50 deutschen PKV-Unternehmen abschließen.

Die Privaten bieten als Alternative zu der GKV-Kostenerstattung zum Beispiel Policen für zahnärztliche Behandlung, Hilfsmittel oder Naturheilverfahren an. Überlegen Sie sich, welche Risikoabdeckung für Sie und Ihre Familie sinnvoll ist. Ihr Versicherungsberater kann Sie darüber informieren, wie Sie verschiedene Bausteine zu einer leistungsfähigen Zusatzversicherung zusammenstellen können.

Die größten Vorteile der PKV-Angebote: Sie sind transparent in der Leistungsgestaltung und ohne finanzielles Risiko. Denn Patienten wissen bereits vor Behandlungsbeginn, welche Kosten ihr Versicherer am Ende übernimmt. Zusatzversicherungen sind deswegen für Mitglieder der Krankenkassen meist die preiswertere Alternative zu den Wahltarifen der Gesetzlichen.

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