Glossar: Basistarif

Was ist der Basistarif?

Der Basistarif ist seit 2009 ein Pflichtangebot aller Unternehmen, die private Krankenvollversicherungen anbieten. Seine Leistungen sind mit denen der gesetzlichen Krankenversicherung vergleichbar. Die Höhe des Beitrags ist gesetzlich begrenzt.

Der Basistarif unterliegt strengen Auflagen: Versicherer dürfen

  • niemanden ablehnen, weil er gesundheitlich vorbelastet ist,
  • keine Risikozuschläge erheben und
  • keine Leistungsausschlüsse für Vorerkrankungen vereinbaren.

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Wer kann in den Basistarif wechseln oder eintreten?

  1. Bereits vor 2009 privat Versicherte:
    Wer schon vor dem Jahr 2009 eine private Krankenversicherung besaß, kann nach dem 55. Lebensjahr in den Basistarif seines eigenen Krankenversicherers wechseln. Unter 55 Jahren klappt das nur, wenn er eine gesetzliche Rente oder Pension bezieht. Ebenso dürfen finanziell Hilfebedürftige im Sinne des Sozialgesetzbuchs (SGB II und SGB XII) den Tarif beanspruchen.
    Wer mit einem Basistarif zu einem anderen Unternehmen wechselt, erhält konstante Leistungen und Beiträge. Es können lediglich unternehmensabhängige Kostenzuschläge entstehen.
  2. Ab 2009 privat Versicherte:
    Wer sich seit Januar 2009 privat neu versichert, darf jederzeit in den Basistarif wechseln. Dabei kann er auch zu einem anderen Unternehmen wechseln. Die Alterungsrückstellungen bleiben im Umfang des Basistarifs erhalten.
  3. Neuversicherte in der PKV:
    Auch bislang nicht privat Versicherte können eine Police mit dem Basistarif erwerben. Dies gilt für jeden, der
    • freiwillig in die gesetzliche Krankenversicherung eintritt (innerhalb von sechs Monaten nach Beginn der freiwilligen Mitgliedschaft),
    • beihilfeberechtigt ist und mit einem Versicherungsschutz seine Beihilfe ergänzen will oder
    • in Deutschland wohnt, aber weder gesetzlich versicherungspflichtig ist noch Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beanspruchen kann noch Sozialhilfe bezieht (Ausnahme: Sozialhilfebezug nach SGB XII, Kapitel 5, 8 und 9).

Welche Leistungen bietet der Basistarif, wie hoch sind die Monatsbeiträge?

Die Leistungen des Basistarifs orientieren sich an denen der gesetzlichen Krankenkassen. Sie müssen mit den dortigen Pflichtleistungen vergleichbar, aber nicht identisch sein. Der Verband der privaten Krankenversicherung e.V. legt Art, Umfang und Höhe der Leistungen fest („Allgemeine Versicherungsbedingungen 2009 für den Basistarif“). Dies geschieht unter Aufsicht des Finanzministeriums.

Basisversicherte dürfen ihre Ärzte und Zahnärzte grundsätzlich frei wählen. Dabei müssen sie sich mit einem Ausweis oder einer Gesundheitskarte als basisversichert ausweisen, damit sie eine Honorarrechnung gemäß Basistarif erhalten.

Der Beitrag des Basistarifs darf den Höchstbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung nicht überschreiten. Der individuelle Beitrag kann darunter liegen (beispielsweise aufgrund von Altersrückstellungen).

Der Höchstsatz lässt sich wie folgt berechnen: Der allgemeine Beitragssatz der Krankenkassen wird multipliziert mit der gültigen Beitragsbemessungsgrenze. Hinzu kommt der so genannte durchschnittliche Zusatzbeitrag, den das Gesundheitsministerium jährlich festlegt. 2013 beträgt er null Euro.

Für das Jahr 2013 bedeutet das: 15,5 % (Beitragssatz) x 3.937,50 Euro (Beitragsbemessungsgrenze) + 0 Euro (Zusatzbeitrag) = 610,31 Euro Höchstbeitrag.

Tarifvarianten gelten für

  • Kinder und Jugendliche (2013 zahlen sie einen Höchstbeitrag von etwa 250 Euro);
  • beihilfeberechtigte Beamte und deren Familienangehörige (die Leistungen ergänzen nur die Beihilfe) und
  • Versicherte, die Selbstbehalte in Anspruch nehmen.
Hilfebedürftige zahlen nur den halben Beitrag. Wer den vollen Beitrag zahlt und dadurch hilfebedürftig wird, kann den Beitrag ebenfalls halbieren lassen. Würde er anschließend trotzdem noch hilfebedürftig, beteiligen sich Bundesagentur für Arbeit oder Sozialamt an dem Restbeitrag.

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Was bedeutet Kontrahierungszwang?

Private Krankenvollversicherer stehen beim Basistarif unter Kontrahierungszwang (auch: Annahmezwang oder Abschlusszwang). Das bedeutet, sie sind rechtlich verpflichtet, einen Vertrag zu diesem Tarif abzuschließen.

Ausnahmen: Ein Versicherer kann einen Antragsteller ablehnen, wenn dieser bereits bei ihm versichert war und der Versicherer

  • den Vertrag wegen Drohung oder arglistiger Täuschung angefochten hat oder
  • vom Vertrag aufgrund einer vorsätzlichen Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht zurückgetreten ist.

Was sind die wichtigsten Vor- und Nachteile des Basistarifs?

Vorteile:

  • Keine Risikozuschläge, Leistungsausschlüsse oder Ablehnung wegen Vorerkrankungen;
  • keine Gesundheitsprüfung und
  • dauerhaft bezahlbare Beiträge, da gesetzlich gedeckelt.
Nachteile:
  • Leistungen nur auf dem Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung;
  • Leistungen können reduziert werden und
  • eigener Beitrag für jedes Familienmitglied (im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung).