Glossar: Pflegeversicherung

Was ist die Pflegeversicherung?

Seit 1995 existiert in Deutschland die Pflicht, eine Pflegeversicherung abzuschließen („Pflegepflichtversicherung“). Diese trägt dazu bei, das Risiko der Pflegebedürftigkeit finanziell abzufedern.

Bei der Pflegeversicherung werden die folgenden Begriffe unterschieden:

Pflichtversicherungen:

  • Gesetzliche Pflegeversicherung (auch „soziale Pflegeversicherung“ oder „Pflegekasse“): Für gesetzlich Krankenversicherte ist immer die Pflegekasse der eigenen Krankenkasse zuständig.
  • Private Pflegeversicherung: Sie ist die Pflichtversicherung für alle, die privat krankenversichert sind.
Pflegezusatzversicherung: Sie ist eine freiwillige Zusatzversicherung. Mit Pflegezusatzversicherungen von privaten Anbietern lassen sich die oftmals unzulänglichen Leistungen der Pflichtversicherung aufstocken.

Warum muss jeder eine Pflegeversicherung abschließen?

Die Menschen in Deutschland werden immer älter, und dadurch steigt auch die Zahl der Pflegebedürftigen. Neuere Untersuchungen gehen davon aus, dass jeder zweite Deutsche im Laufe seines Lebens pflegebedürftig wird. Dabei entstehen gewaltige Kosten, die von den Krankenkassen nicht mehr aufgefangen werden können.

Bereits in den 1990er-Jahren war absehbar, dass die zunehmende Zahl an Pflegefällen den Staat finanziell überfordern könnte. Auch die Angehörigen sollten nicht über Gebühr belastet werden. Daraus entstand die Pflicht, jeden an der Vorsorge für einen möglichen Pflegefall zu beteiligen.

Was sind Pflegestufen?

Grundsätzlich tritt Pflegebedürftigkeit ein, wenn jemand bei alltäglichen Verrichtungen erhebliche Hilfe benötigt. Dabei handelt es sich insbesondere um das Aufstehen, Waschen, Anziehen und Essen. Um die Mittel angemessen zu verteilen, wurden drei unterschiedliche Pflegestufen eingeführt.

Die Pflegestufen unterscheiden sich vor allem nach dem Zeitaufwand, der für notwendige Pflegeleistungen erforderlich ist:

  • Pflegestufe I: Täglich sind mindestens 90 Minuten Hilfe bei zwei Verrichtungen nötig. Mindestens die Hälfte der Zeit dient dabei der Grundpflege, zum Beispiel Körperpflege, An- und Ausziehen, Essen und Mobilität. Dazu kommt notwendige Hilfe im Haushalt.
  • Pflegestufe II: Der zeitliche Bedarf erhöht sich auf mindestens drei Stunden pro Tag.
  • Pflegestufe III: Der zeitliche Bedarf beträgt mindestens fünf Stunden täglich, davon sind vier Stunden für die Grundpflege vorgesehen. In Stufe III werden insbesondere stark pflegebedürftige Personen eingeordnet, die rund um die Uhr auf externe Hilfe angewiesen sind.
Zusätzlich existiert die „Pflegestufe 0“. Sie umfasst Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz (Demenz), für die (noch) kein hoher Pflegeaufwand notwendig ist.

Um die Pflegestufe zu ermitteln, setzen die Krankenkassen den „Medizinischen Dienst“ ein. Für die privaten Krankenversicherer nimmt die Medicproof GmbH entsprechende Begutachtungen vor.

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Welche Leistungen bietet die Pflegeversicherung?

Dauerhaft Pflegebedürftige (mindestens sechs Monate) haben Anspruch auf stationäre Pflege im Heim, ambulante Hilfe oder ein Pflegegeld. Der Umfang der dabei gewährten Leistungen ist bei gesetzlicher und privater Pflegeversicherung gleich.

Häusliche Pflege genießt in der Pflegeversicherung Vorrang. So können Pflegebedürftige möglichst lange in der gewohnten Umgebung leben. Zugelassene Pflegedienste übernehmen die täglichen Hilfsdienste. In einem Vertrag werden die Pflegeleistungen festgelegt.

Alternativ kann jeder Pflegebedürftige auch andere Pflegepersonen (zum Beispiel Angehörige) beauftragen. In solchen Fällen steht ihm das so genannte Pflegegeld zu.

Die Leistungen für stationäre Pflege in einem Heim decken nur die Kosten für die Grundpflege, medizinische Behandlungspflege und soziale Betreuung. Aufwendungen für Unterkunft und Verpflegung müssen selbst übernommen werden.

Je nach Pflegestufe werden folgende Leistungen gewährt (Stand Mai 2013):

Die Leistungen der Pflegeversicherung
Pflegestufe Stationäre Hilfe (Pflegeheim) Häusliche Pflege (Fachpersonal) Häusliche Pflege (Pflegegeld)
I 1.023 € 450 € 235 €
II 1.279 € 1.100 € 440 €
III 1.550 €
(in Härtefällen
1.918 €)
1.550 €
(in Härtefällen
1.918 €)
700 €