Glossar: Unfallversicherung

Was ist eine Unfallversicherung, und wozu braucht man sie?

Beim Thema Unfallversicherung ist zu unterscheiden zwischen gesetzlicher und privater Unfallversicherung: Die gesetzliche Unfallversicherung ist ein Bestandteil der staatlichen Sozialversicherung. In der Regel ist die Unfallrente allerdings zu gering, um den Lebensunterhalt zu sichern. Verbraucher können die finanziellen Folgen eines Unfalls daher mit einer privaten Unfallversicherung absichern.

Die gesetzliche Unfallversicherung ist im Sozialgesetzbuch (SGB VII) geregelt. Sie springt ein bei beruflichen Unfällen, Berufskrankheiten sowie Unfällen auf dem Schulweg oder auf dem Weg zu und von der Arbeit. Dagegen erbringt die private Unfallversicherung bei einem Unfall die vertraglich vereinbarte Leistung.

Das leistet die gesetzliche Unfallversicherung

Die Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung umfassen im Wesentlichen Verletztengeld oder -rente, Heilbehandlung, Berufshilfe (berufsfördernde Maßnahmen) und Leistungen zur sozialen Rehabilitation. Weiterhin leistet die gesetzliche Unfallversicherung Pflegegeld, Sterbegeld, Waisenrente sowie Hinterbliebenenrente.

Die gesetzliche Unfallversicherung schützt Arbeitnehmer, Kinder im Kindergarten, Schüler, Auszubildende und Studierende. Daneben bietet sie eine Absicherung für Landwirte, Helfer (Unglücksfälle, Zivil- oder Katastrophenschutz), Blut- oder Organspender, Haushaltshilfen sowie Fahrgemeinschaften (auf dem Weg zur oder von der Arbeit, einschließlich notwendiger Umwege).

Für Beamte ist die Unfallfürsorge zuständig. Selbstständige, Freiberufler sowie Unternehmer können sich freiwillig versichern. In einigen Fällen ist die Unfallversicherung eine Pflichtversicherung, zum Beispiel bei Friseurbetrieben.

Zur Absicherung des Lebensunterhalts ist die gesetzliche Unfallrente meistens nicht ausreichend. Hinzu kommt: Die meisten Unfälle passieren im Haushalt und in der Freizeit. Gerade in diesen Fällen tritt die gesetzliche Unfallversicherung aber nicht ein.

Was bietet eine private Unfallversicherung?

Führt ein Unfall zu bleibender Invalidität, zahlt die private Unfallversicherung einen einmaligen Festbetrag und/ oder eine Rente – je nach Vereinbarung. Ursache muss eine Einwirkung von außen sein. Die Versicherer akzeptieren meist auch eine erhöhte Kraftanstrengung als Ursache.

Ob Zahlungen erfolgen und wie hoch sie sind, hängt von der Versicherungssumme und dem Grad der Invalidität ab. Versicherungspolicen können Renten- oder Einmalzahlungen vorsehen. Dabei bestehen wichtige Unterschiede:

  • Rentenzahlungen setzen meist einen hohen Invaliditätsgrad voraus (oft ab 50 Prozent).
  • Einmalzahlungen erfolgen bereits, wenn ein geringer Invaliditätsgrad vorliegt. Der ausgezahlte Prozentsatz der Versicherungssumme entspricht dem Grad der Invalidität.
Die meisten Versicherer bieten noch zahlreiche Ergänzungen an, zum Beispiel Todesfallschutz, Krankenhaustagegeld und Genesungsgeld. Oft werden auch Sofortleistungen bei schweren Verletzungen, Übergangsleistungen sowie kosmetische Operationen angeboten.

Vorsorge-News jetzt auch bei
Facebook, Twitter & Google+
+++ Altersvorsorge: Indexfonds schlagen Rentenversicherung & Co. +++ Berufsunfähigkeitsversicherung: sinnvolle Kriterien für die Auswahl +++ Krankenversicherung: Gesetzlich oder privat ist keine Glaubenssache +++

Für wen eignet sich eine private Unfallversicherung?

Sinnvoll ist eine private Absicherung

  • als Ergänzung einer gesetzlichen Unfallversicherung, da sie sowohl private als auch berufliche Unfälle weltweit und rund um die Uhr abdeckt;
  • für alle, die nicht gesetzlich unfallversichert sind (zum Beispiel Hausfrauen);
  • für Arbeitnehmer, die keine Berufsunfähigkeitsversicherung erhalten (zum Beispiel wegen eines Risikoberufs oder aufgrund von Vorerkrankungen);
  • für andere Gruppen, die keine BU-Versicherung erhalten (Kinder, Rentner, oft auch Hausfrauen) und
  • als Ergänzung zu einer bestehenden BU-Versicherung, um eine sichere Auszahlung bei Invalidität zu bekommen. Eine Unfallversicherung zahlt auch dann, wenn der Beruf noch ausgeübt werden kann.

Was ist eine Gliedertaxe?

Die Versicherer nutzen eine „Gliedertaxe“, um den Grad der Invalidität zu bestimmen. So ermitteln sie auch den Prozentsatz der Versicherungssumme, den sie nach einem Unfall auszahlen. Wenn mehrere Gliedmaßen betroffen sind, addiert der Versicherer die Invaliditätsgrade – aber nur maximal bis 100 Prozent.

Beispiele aus der Gliedertaxe des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft:

  • Beide Augen: 100%
  • Bein über der Mitte des Oberschenkels: 70%
  • Hand im Handgelenk: 55%
  • Fuß im Fußgelenk: 40%
  • Daumen/ Zeigefinger/ anderer Finger: 20/ 10/ 5%
  • Geruchssinn: 10%
  • Kleine Zehe: 2%
Einige Versicherer bieten bestimmten Berufsgruppen Sonderkonditionen. So stufen sie Ärzte oder Musiker bereits beim Verlust eines Fingers als Vollinvaliden ein.

Was bedeutet Progression?

Wer eine Progression vereinbart, erhält bei höheren Invaliditätsgraden überproportional hohe Leistungen. Beispiel: Ab 25 Prozent Invalidität steigt die Auszahlungssumme progressiv an, bis sie bei 100 Prozent Invalidität 225 Prozent erreicht.

Insbesondere Jüngeren hilft die Progression, ihre Existenz auch bei voller Invalidität zu sichern. Der Beitragszuschlag liegt bei etwa 30 bis 40 Prozent.

— Mit Freunden teilen oder kommentieren