Glossar: Versicherungspflichtgrenze

Was ist die Versicherungspflichtgrenze?

Die Versicherungspflichtgrenze ist eine Rechengröße der Sozialversicherung. Sie gibt die Höhe des jährlichen Brutto-Arbeitsentgelts an, ab der Arbeitnehmer nicht mehr in der Krankenkasse pflichtversichert sind. Maßgeblich ist das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt. Man spricht deshalb auch von der Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG).

Im Unterschied zur Versicherungspflichtgrenze beziffert die Beitragsbemessungsgrenze das Gehalt, bis zu dem Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung gezahlt werden müssen.

Die Versicherungspflichtgrenze liegt 2014 bei 53.550 Euro pro Jahr. Dies entspricht einem monatlichen Einkommen von 4.462,50 Euro. Die Grenze wird jedes Jahr angepasst. Als Grundlage dienen die Veränderungen der durchschnittlichen Bruttolohn- und Gehaltssumme. Im Jahr 2013 betrug die JAEG 52.200 Euro (monatlich 4.350 Euro).

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Was bedeutet Versicherungsfreiheit und für wen gilt sie?

Angestellte und Arbeiter mit Einkommen unter der JAEG sind gesetzlich pflichtversichert. Sie können sich deshalb nicht voll privat krankenversichern.

Für Arbeitnehmer, deren Einkommen die Versicherungspflichtgrenze überschreitet, besteht Versicherungsfreiheit. Das heißt aber nicht, dass sie sich überhaupt nicht versichern müssen: In Deutschland ist jeder verpflichtet, eine Krankheitskostenversicherung abzuschließen. Versicherungsfreiheit bedeutet lediglich, dass der Betroffene eine Wahlmöglichkeit hat: Er kann sich entweder freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse versichern oder einer privaten Krankenversicherung beitreten.

Seit 2011 haben auch Berufsanfänger dieses Wahlrecht, wenn ihr voraussichtliches Einkommen die JAEG überschreitet. Dies betrifft auch Studenten. Das Wahlrecht gilt außerdem für jeden, der erstmals in Deutschland eine Beschäftigung aufnimmt. Nähere Informationen dazu finden sich beim Bundesgesundheitsministerium.

Beamte sind dagegen unabhängig vom Einkommen versicherungsfrei. Dasselbe gilt für Selbstständige und Freiberufler; lediglich Künstler und Publizisten sind pflichtversichert.

Die Versicherungsfreiheit tritt mit Ablauf des Jahres ein, in dem das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt die Versicherungspflichtgrenze übertrifft. Es genügt, wenn das regelmäßige Monatsgehalt im Laufe des Jahres die Grenze der JAEG überschreitet und voraussichtlich auch im Folgejahr über der JAEG liegt.

Beispiel zur Berechnung des Jahresarbeitsentgelts (JAEG)
Monatsgehalt Jan.-Nov. Monatsgehalt Dezember Vorauss. Monatsgehalt
im Folgejahr
Regelmäßiges Jahresarbeitsentgelt
4.000 Euro 5.000 Euro
(höherer Betrag z.B. durch
Weihnachtsgeld)
4.000 Euro 49.000 Euro
(11 x 4.000 Euro
+ 1 x 5.000 Euro)
4.000 Euro 5.000 Euro 5.000 Euro 60.000 Euro
(12 x 5.000 Euro)

Wie wird die Versicherungspflichtgrenze berechnet?

Grundlage für die Berechnung der Versicherungspflichtgrenze ist das vertraglich vereinbarte Brutto-Jahresgehalt (ohne Sonn- und Feiertagszuschläge, Fahrtkostenzuschüsse oder Überstundenvergütungen). Addiert werden:

  • Einmalige Zahlungen (Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld, aber nur wenn regelmäßig gezahlt),
  • besondere Zulagen (zum Beispiel Firmenwagen, der privat genutzt wird),
  • beitragsfreie Bezüge (zum Beispiel Nachtzuschläge, die steuer- und beitragsfrei sind) und
  • Familienzuschläge.
Als Summe ergibt sich das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt. Seine Höhe entscheidet darüber, ob sich jemand gesetzlich krankenversichern muss. Ist ein Monatsgehalt vereinbart, wird es mit zwölf multipliziert. Gilt das letzte Monatsgehalt des laufenden Jahres auch als Grundlage für das Folgejahr, so zählt dieses.

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Für wen gilt die Versicherungspflichtgrenze nicht?

Viele Personengruppen unterliegen nicht den Regelungen zur Jahresarbeitsentgeltgrenze. Sie sind automatisch pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenversicherung. Hierzu zählen:

  • Auszubildende, Studenten und Praktikanten;
  • Rentner mit bestimmten Vorversicherungszeiten;
  • Arbeitslose, die Leistungen der Bundesagentur für Arbeit beziehen;
  • ALG II-Empfänger, wenn sie nicht unmittelbar zuvor privat versichert waren;
  • Landwirte einschließlich mitarbeitender Familienangehöriger sowie
  • Künstler und Publizisten (pflichtversichert über die Künstlersozialversicherung).

Was bedeutet „besondere Versicherungspflichtgrenze“?

Im Jahr 2003 stieg die JAEG von 40.500 Euro um 13,3% auf 45.900 Euro. Diese Maßnahme sollte langfristig für mehr Beitragszahler in der gesetzlichen Krankenversicherung sorgen. Allerdings: Sehr viele Privatpatienten wären mit einem Schlag am 31.12.2002 versicherungspflichtig geworden.

Um das zu verhindern, wurde bereits privat Versicherte die „besondere Versicherungspflichtgrenze“ eingeführt. Sie knüpft an das Niveau der bis Ende 2002 geltenden Grenze an; ihre Höhe entspricht seitdem der Beitragsbemessungsgrenze. Im Jahr 2014 liegt die besondere Versicherungspflichtgrenze bei 48.600 Euro. (zuletzt aktualisiert am 24.1.2014, alj)