Krankengeld: Selbständige haben die Qual der Wahl

Freiwillig versicherte Selbständige können gesetzliches und privates Krankengeld beanspruchen

Nicht ohne Grund ist das gesetzliche Krankengeld für gesetzlich versicherte Arbeitnehmer Pflicht. Es sichert 70 Prozent des Bruttoeinkommens ab dem 43. Tag einer Arbeitsunfähigkeit. Wer als Selbständiger freiwillig gesetzlich versichert ist, muss sich selbst darum kümmern. Dabei hat er die Wahl: Mitversicherung von Krankengeld bei seiner Kasse oder eine private Krankentagegeldversicherung. Alternativ geht auch beides zusammen.

Manche Selbständigen neigen dazu, mögliche Zukunftsprobleme kleinzureden. „Mir wird schon nichts passieren“, ist ein gerne geäußerter Satz. Doch bereits ein Sportunfall können böse Folgen haben und eine lange Arbeitsunfähigkeit nach sich ziehen. Wer – zum Beispiel als Architekt – projektorientiert arbeitet, erhält vielleicht noch für ein oder zwei Monate Honorare für beendete Projekte.

Wer aber vom Tagesgeschäft lebt, zum Beispiel als Händler, Taxifahrer oder Fahrradkurierfahrer, muss sofort an seine Rücklagen ran. Sind die eher bescheiden, benötigt er besonders dringend eine Absicherung für den Krankheitsfall.

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Krankengeld à la carte

In der PKV versicherte Selbständige sind auf private Krankentagegeldversicherungen angewiesen. Wer hingegen gesetzlich versichert ist, hat Wahlmöglichkeiten und kann Varianten kombinieren:

  • Erste Möglichkeit: Der Versicherte gibt bei seiner Krankenkasse eine Wahlerklärung ab. Er zahlt dann 15,5 Prozent (statt den ermäßigten Satz von 14,9 Prozent) und hat dafür ab dem 43. Krankheitstag Anspruch auf gesetzliches Krankengeld. Das lohnt sich vor allem für Gering- und Mittelverdiener: Verdienen sie unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze (47.250 Euro/Jahr), so stehen ihnen volle 70 Prozent des Bruttoeinkommens zu. Für Gutverdiener bietet diese Variante zumindest einen preisgünstigen Basisschutz.
  • Zweite Möglichkeit: Die Krankenkassen bieten Wahltarife an. Deren Leistung beginnt beispielsweise bereits am 15. oder 22. Tag der Arbeitsunfähigkeit. Ältere zahlen nicht mehr als Jüngere; außerdem dürfen die Kassen niemanden wegen Vorerkrankungen ablehnen. Kassen können allerdings ein Höchstalter für die Aufnahme festsetzen.
    Besonders günstige Tarife existieren für Künstler und Publizisten. Das Gesetz regelt zudem, dass bei ihnen der Anspruch auf Krankengeld spätestens mit dem 15. Krankheitstag beginnen muss.
  • Die dritte Möglichkeit sind private Krankentagegeldtarife. Sie eignen sich am ehesten für Spitzenverdiener, denen die gedeckelten Kassenleistungen nicht ausreichen. Als Nettoeinkommen werden oft 70 bis 80 Prozent des Gewinns zugrunde gelegt. Das ist in der Regel günstiger als die Berechnungsgrundlage „Einkommen nach Steuern“, da hohe Sonderausgaben zuweilen das Ergebnis drücken.

Leistungen und Beiträge von gesetzlichem und privatem Kranken(tage)geld

Leistungen und Beiträge von gesetzlichem Krankengeld und privatem Krankentagegeld*
Gesetzliches Krankengeld (bei abgegebener Wahlerklärung) Privates Krankentagegeld für gesetzlich Krankenversicherte
Höhe der Leistung Bruttokrankengeld:
70 Prozent des Bruttoeinkommens, maximal 2.756,25 Euro/Monat.

Nettokrankengeld:
Bruttokrankengeld minus Pflegeversicherungsbeitrag minus ggf. Rentenversicherungsbeitrag.
Vertraglich vereinbarter Tagessatz; alle erhaltenen Kranken(tage)gelder zusammen dürfen maximal das Nettoeinkommen erreichen.
Beginn der Leistung Anspruch ab 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit. Vertragliche Vereinbarung, zum Beispiel ab dem 15., 29. oder 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit.
Dauer der Leistung Maximal 78 Wochen innerhalb von 3 Jahren bei Arbeitsunfähigkeit wegen derselben Krankheit. Gesamte Dauer der Arbeitsunfähigkeit.
Leistung bei eintretender Berufsunfähigkeit Neue Erwerbsminderungs- oder Berufsunfähigkeitsrente mindert Krankengeld um den Betrag der Rente. Nach Eintritt von Berufsunfähigkeit maximal 3 oder 6 Monate Krankengeld.
Beitrag Allgemeiner Beitragssatz von 15,5 Prozent (statt 14,9 Prozent), maximal 23,63 Euro/Monat. Abhängig von Höhe des Tagessatzes, Leistungsbeginn, Eintrittsalter, Gesundheitszustand und manchmal Beruf.
Beitrag während des Leistungsbezugs Kein Krankenversicherungsbeitrag auf das Bruttokrankengeld. Beitrag muss auch während des Leistungsbezugs gezahlt werden.
Kündigung durch den Versicherten Mindestens drei Jahre Bindung an Wahlerklärung. Kündigung möglich zum Ende jedes Versicherungsjahres (3 Monate Kündigungsfrist).
Kündigung durch Krankenkasse/Versicherer Nicht möglich. Viele Versicherer behalten sich das Recht vor, innerhalb der ersten drei Vertragsjahre jeweils zum Ende eines Jahres zu kündigen (3 Monate Kündigungsfrist).
* Die Angaben beziehen sich auf freiwillig gesetzlich versicherte Selbständige.

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Selbständige mit Miniverdienst sind benachteiligt

Wer als Wenigverdiener das Krankengeld der Kassen wählt, muss eine bittere Pille schlucken: Kraft Gesetzes legen die Kassen ein fiktives Monatseinkommen von 2.021,25 Euro fest, für das freiwillig Versicherte Beiträge bezahlen müssen – selbst wenn das tatsächliche Einkommen vielleicht nur 800 Euro beträgt.

Nur in wenigen Ausnahmefällen lassen sich die Kassen auf einen niedrigeren Satz von 1.347,50 Euro ein – aber selbst der kann noch über dem realen Einkommen liegen.Gleichwohl erhalten Geringverdiener – und das ist das wirklich Bittere – nur die Leistungen für ihr tatsächliches Einkommen.

Fazit: Auch Selbständige sind nicht gegen Krankheiten oder Unfälle resistent. Sie tun deshalb gut daran, sich frühzeitig und umfassend zu informieren.

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