Lebensversicherung: Kündigung und Wechsel müssen wohlüberlegt sein

Wann lohnt der Wechsel einer Lebensversicherung?

Viele Kunden tragen sich mit dem Gedanken, mit ihrer Lebens- oder Rentenversicherung zu einem vermeintlich attraktiveren Anbieter zu wechseln. So ein Wechsel ist kompliziert und lohnt sich oftmals nicht. Allenfalls für Verträge in den ersten Jahren könnte ein Wechsel – also eine Kündigung in Verbindung mit einem Neuabschluss – in Frage kommen.

Das niedrige Zinsumfeld drückt auf die Überschüsse von Lebensversicherungen. Das ist bei vielen Kunden bereits angekommen. Für Neukunden kommt es noch schlimmer: Neben der moderaten Überschussbeteiligung werden sie noch zusätzlich den abgesenkten Garantiezins in Kauf nehmen müssen. Statt 2,25 Prozent werden ab 2012 nur noch 1,75 Prozent garantiert. Kein Wunder, dass viele Kunden verunsichert sind und einen Wechsel in Erwägung ziehen. Doch sollten Verbraucher hierbei Vorsicht walten lassen, bieten bestehende Altverträge doch vergleichsweise hohe Garantiezinsen.

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Lebensversicherungen aus dem Jahr 2003 haben einen Garantiezins von 3,25 Prozent

Wechselwillige Versicherungskunden sollten daher als erstes ihren bestehenden Vertrag genau unter die Lupe nehmen. Alte Verträge, die beispielsweise 2003 geschlossen wurden, garantieren einen Zins von satten 3,25 Prozent. Änderungen am Garantiezinses tangieren diese Verträge nicht, nur Neuverträge sind von der Anpassung des Garantiezinses betroffen.

Nach einem Beschluss des Bundesministeriums für Finanzen sinkt der Garantiezins im Jahr 2012 von 2,25 Prozent auf nur noch 1,75 Prozent. Klar ist daher: Die Kündigung gut bestückter Altverträge zugunsten von Neuverträgen mit deutlich niedrigeren Garantiezinsen macht wenig Sinn.

Hinzu kommt, dass Altverträge bis 2004 mit steuerfreien Kapitalauszahlungen punkten können. Für Neuverträge gelten dagegen lediglich Steuervergünstigungen. Bei einem überhasteten Wechsel tauscht man so schnell Steuerfreiheit gegen Steuervergünstigung – und stellt sich schlechter.

Riester-Sparer: Bei Anbieter-Wechsel die Unisex-Tarifierung bedenken

Riester-Sparer, die mit einem neuen Produktanbieter liebäugeln, sollten ebenso einige Punkte beachten. Auch hier müssen die Garantiewerte des Altvertrags mit denen der Neuofferte verglichen werden. Zudem sollten Personen mit Vertragsabschluss vor 2006 bedenken, dass Neuverträge geschlechtsneutral tarifiert werden (sog. Unisex-Tarife) – ein Nachteil für Männer, ein Vorteil für Frauen.

Konkret: Seit Anfang 2006 müssen Riestertarife geschlechterunabhängig kalkuliert und angeboten werden. Der bei Männern aus der niedrigeren Lebenserwartung resultierende Vorteil bei der Beitragskalkulation für Rentenversicherungen wurde damit nichtig. In den neuen, geschlechterunabhängigen Tarifen zahlen Männer gleich hohe Beiträge wie Frauen – und damit mehr als in den Tarifen vor 2006. Ergo ist ein Neuabschluss für Männer eher nachteilig, während Frauen in diesem Punkt profitieren.

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Wechsel des LV-Vertrags lohnt sich allenfalls in der Anfangszeit

Auch Finanztest hat sich in der Ausgabe 5/2011 anhand verschiedener Rechenbeispiele mit der Sinnhaftigkeit von Anbieter-Wechsel befasst. Das Fachmagazin hat dabei den Wechsel von teuren zu günstigen Anbietern modelliert. Bei allen Berechnungen wurde ein Umstieg nach zwei und fünf Jahren unterstellt. Der Vergleich der Stiftung Warentest zeigt, dass allenfalls ein sehr frühzeitiger Umstieg – hier nach zwei Jahren – rentabel sein kann. Ein späterer Wechsel sei dagegen selten sinnvoll.

Verlust des Steuervorteils, ungünstigere Tarife und nicht zuletzt oft hohe Übertragungskosten – beim Anbieter-Tausch lauern Fallstricke. Um nachhaltige und rentable Entscheidungen zu treffen, sollte der Wechel eines LV-Vertrags gut überlegt und vorab von einem fachkundigen Berater geprüft werden.

 
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