Öko-Test: Berufsunfähigkeitsversicherung im Kreuzfeuer der Kritik

Öko-Test kritisiert vor allem die Annahmepolitik bei Berufsunfähigkeitsversicherungen

Die Zeitschrift Öko-Test hat Berufsunfähigkeitsversicherungen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis der Untersuchung ist bescheiden. Hauptkritikpunkt der Prüfer: die Annahmepolitik der Unternehmen. So kommt es zu einem Phänomen, dem Kunden in der freien Wirtschaft eher selten begegnen: Der Verbraucher möchte zwar unbedingt ein Produkt, aber er bekommt es nicht.

Dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung heute zu den wichtigsten Versicherungen überhaupt gehört, ist inzwischen breiter Konsens unter Fachleuten. Etwa jeden vierten Arbeitnehmer trifft eine Berufsunfähigkeit vor Erreichen des Rentenalters. Millionen sind also direkt von dem Thema betroffen. Nur ein rechtzeitig abgeschlossener BU-Schutz in ausreichender Höhe garantiert im Falle eines Falles einen akzeptablen Lebensstandard; anderenfalls droht Armut, denn für die meisten Arbeitnehmer gibt es mittlerweile keine gesetzliche Berufsunfähigkeitsversicherung mehr; lediglich vor 1961 Geborene können darauf noch hoffen.

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BU-Schutz ist für jeden wichtig

Die Notwendigkeit eines umfassenden BU-Schutzes bestreitet heute keiner mehr – umso mehr Differenzen gibt es darüber, wie viele Deutsche tatsächlich eine private BU-Versicherung abgeschlossen haben. Laut Forsa-Institut ist es immerhin jeder Zweite, die Branche nennt häufig Zahlen um die dreißig Prozent und die Zeitschrift Öko-Test geht von lediglich zehn Prozent aus. Egal wer Recht hat – die Zahl der Versicherten ist streng genommen in jedem Falle zu niedrig, denn eigentlich müsste jeder Berufstätige diesen wichtigen Schutz haben. Experten empfehlen nicht nur Arbeitnehmern, sondern auch Selbstständigen, Hausfrauen oder Studenten den Abschluss, um bei gesundheitlich bedingten Einschränkungen finanziell abgesichert zu sein.

Öko-Test prüfte 26 Anbieter

Die Zeitschrift Öko-Test wollte es nun einmal genau wissen, was an dem wichtigen Produkt „Berufsunfähigkeitsversicherung“ dran ist. Sie untersuchte Angebote von 26 Versicherern. Darunter waren 28 selbstständige BU-Policen und 32 Berufsunfähigkeits-Zusatzpolicen, das heißt Kombinationen mit einer Lebensversicherung.

Außer der Qualität der Bedingungen wurden die Preise für sieben Musterfälle ermittelt; hierzu dienten die Berufsgruppen Krankenschwester, Ärztin, Bürokaufmann/-frau, Steuerberater, Studentin und Azubi. Um die Annahmepolitik der Versicherer zu ermitteln, wurden anonyme Risikovoranfragen gestellt; fünf reale Kunden mit kleineren gesundheitlichen Einschränkungen übernahmen diesen wichtigen Part.

Ein recht erfreuliches Ergebnis lieferten laut Öko-Test nur die Vertragsbedingungen. Sie haben sich in den letzten Jahren stetig verbessert, nachdem sich Verbraucherverbände immer wieder über ungünstige Klauseln für Kunden beklagt hatten. Vor allem die umstrittene Praxis, Kunden im Falle von Berufsunfähigkeit auf vergleichbare Berufe zu verweisen (anstatt die vereinbarte Leistung zu bezahlen), ist in neuen Verträgen kaum noch zu finden. Statt dieser „abstrakten Verweisung“ findet sich heute meist eine harmlosere Variante, die „konkrete Verweisung“: Der BU-Anbieter kann seine Leistungen nur verweigern, wenn der Kunde tatsächlich eine vergleichbare berufliche Tätigkeit ausübt – und nicht nur ausüben könnte.

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Dickes Minus: die Annahmepolitik

Die allgemein ordentlichen Vertragsbedingungen der BU-Anbieter haben aber einen gravierenden Nachteil: Verträge sind nicht für jeden Kunden abschließbar. Die Annahmepolitik der Unternehmen ist der Hauptkritikpunkt der Öko-Tester. Viele Unternehmen tendieren dazu, sich die Rosinen herauszupicken, das heißt: Sie nehmen junge, gesunde Kunden mit offenen Armen auf. Besitzt allerdings jemand bereits eine umfangreiche Krankenakte, bleibt er von der Berufsunfähigkeitsversicherung ausgeschlossen. Schon kleine gesundheitliche Vorbelastungen, etwa zeitweilige Rückenschmerzen, können den BU-Schutz einschränken. Eine Zusage des Versicherers muss oft durch „Risikoaufschläge“ erkauft werden.

Je mehr Vorerkrankungen vorhanden sind, desto teurer wird es also. Manchmal müssen es gar keine konkreten Vorbelastungen sein: Viele Berufe werden automatisch als riskant eingestuft und mit hohen Aufschlägen bedacht. Das kann schon Busfahrer oder Musiker treffen. Schlimmer noch: Je nach Beruf und/oder Vorerkrankungen ist sogar die totale Ablehnung eines Antrags keineswegs selten.

Vor dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung: unbedingt Expertenrat einholen

Aufgrund der miserablen Annahmepolitik vergibt Öko-Test vielen Unternehmen in diesem Teilbereich nur ausreichende oder mangelhafte Beurteilungen. Öko-Test ist sich dabei mit vielen Verbraucherverbänden einig, dass in diesem Punkt ein erheblicher Nachbesserungsbedarf besteht.

Gute sonstige Bedingungen nützen da nichts: Werden Kunden aufgrund ihrer Krankheitsgeschichte abgelehnt, stehen sie ohne Absicherung da – und das womöglich für immer, denn Anbieter informieren sich gegenseitig über erfolgte Kunden-Ablehnungen. Wackelkandidaten bleibt deshalb nur die Alternative, bei vielen Anbietern gleichzeitig eine Anfrage zu stellen – dann greift das interne Informationssystem der Versicherungen noch nicht.

Fazit: Vor dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung sollte sich jeder Kunde einen Überblick über die angebotenen Produkte verschaffen. Die Qualität ist – das haben auch die Recherchen von Öko-Test ergeben – äußerst unterschiedlich. Auch die Preise differieren deutlich: Öko-Test ermittelte für Krankenschwestern bis zu viermal so hohe Beiträge wie für Ärzte. Am sinnvollsten ist es, die Entscheidung für einen bestimmten BU-Versicherer mit Hilfe eines professionellen Beraters zu fällen. Er kann auch am besten vorab beurteilen, wie hoch das Risiko einer möglichen Ablehnung ist – und gemeinsam mit dem Kunden Gegenstrategien entwickeln.