Pflegeversicherung: Staatliche Leistungen reichen fast nie

Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung reichen selten

Wer im Alter pflegebedürftig wird, kann Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung beanspruchen. Sie betragen zwischen 450 und 1.550 Euro pro Monat – je nach Pflegeart und -stufe. In der Regel reichen sie allerdings nicht aus, um eine vernünftige Pflege sicherzustellen.

Ältere Menschen können sich entweder im Heim oder zu Hause pflegen lassen. Heimplätze haben den Vorteil, dass sie eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung bieten. Das schätzen viele Menschen, die wissen, wie wichtig schnelle Hilfe im Notfall sein kann – zum Beispiel Schlaganfall-Patienten.

Manche möchten aber, so lange es irgend geht, lieber in ihrer vertrauten Umgebung gepflegt werden. Auch ihnen kann geholfen werden: Mobile Pflegedienste kommen ins Haus und helfen bei allen nötigen Verrichtungen wie Anziehen, Duschen oder auch Besorgungen im Supermarkt.

Begutachtung: Falscher Stolz führt zu weniger Geld

Wer Leistungen aus der Pflegeversicherung beantragen möchte, wendet sich an seine Krankenkasse. Es genügt ein formloses Schreiben. Die Kasse schickt dann ein Formular, das man ausfüllt und zurücksendet. Ein Gutachter des Medizinischen Dienstes kommt ins Haus und beurteilt, welche Pflegestufe in Frage kommt. Für privat Versicherte übernimmt die Firma Medicproof die Begutachtung.

Um sich ein genaues Bild zu machen, stellt der Beauftragte dem Antragsteller Fragen zum Tagesablauf. Einige einfache Körperübungen zeigen dem Gutachter, wie es um die Beweglichkeit bestellt ist. Auch die Meinung von Familienangehörigen ist gefragt.

Manche ältere Menschen schämen sich ein wenig, ihre körperlichen Einschränkungen anderen vorzuführen. Sie geben sich alle Mühe, bei dem Test so gut wie möglich abzuschneiden. Das ist verständlich, bringt aber Nachteile: Die Krankenkasse entscheidet aufgrund der Begutachtung über die genaue Einstufung. Im Ergebnis erhalten die Antragsteller dann vielleicht weniger Geld aus der Pflegeversicherung als ihnen zusteht.

Drei Stufen der Pflegeversicherung – plus eine

Pflegebedürftige werden je nach dem notwendigen Pflegeaufwand in drei Stufen eingeteilt. Zusätzlich gibt es die „Stufe 0“: Sie erfasst insbesondere Demenzkranke, die in ihrem Alltag nicht ohne Hilfe zurechtkommen. Die Pflegestufen I bis III sind genau definiert:

  • Pflegestufe I – erhebliche Pflegebedürftigkeit: Einmal täglich Grundpflege von mindestens 45-minütiger Dauer; zusätzliche Hilfe beim Essen, im Haushalt usw.; Gesamtzeit bis zu 90 Minuten.
  • Pflegestufe II – schwere Pflegebedürftigkeit: Dreimal täglich Grundpflege, mindestens 2 Stunden; zusätzliche Hilfen; Gesamtzeit bis zu 3 Stunden.
  • Pflegestufe III – schwerste Pflegebedürftigkeit: Grundpflege rund um die Uhr, mindestens 4 Stunden täglich; zusätzliche Hilfen; Gesamtzeit bis zu 5 Stunden.

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So hoch sind die Leistungen der Pflegeversicherung

Wer sich zu Hause pflegen lässt, erhält entweder Pflegegeld (zum Beispiel als Aufwandsentschädigung für Angehörige) oder einen Festbetrag für die Vergütung von Sachleistungen professioneller Kräfte. Beide Leistungen können auch kombiniert werden. Alternativ existieren definierte Festbeträge für die Pflege im Heim.

Monatliche Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung (in Euro)
Pflegestufe 0 Pflegestufe I Pflegestufe II Pflegestufe III
Pflegegeld ohne Demenz 235 440 700
mit Demenz 120 305 525 700
Pflegesachleistungen ohne Demenz 450 1.100 1.550
mit Demenz 225 665 1.250 1.550
Pflege im Heim 1.023 1.279 1.550

Gewaltige Kluft zwischen Kosten und Leistungen

Auf den ersten Blick wirken die gesetzlichen Leistungen aus der Pflegeversicherung beruhigend: Väterchen Staat ist offenbar um das Wohlergehen seiner betagten Bürger besorgt. Doch Betroffene wissen ein anderes Lied zu singen: Die Leistungen reichen hinten und vorne nicht. Mobile Pflegedienste präsentieren am Monatsende saftige Rechnungen. Darin ist jeweils auch ein Investitionszuschlag enthalten, unter anderem für den erforderlichen Fuhrpark.

Im Heim kommen zu den Pflegekosten noch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung hinzu. Das Geld aus der Pflegeversicherung gerät vielfach eher zu einem Zuschuss.

Die Stiftung Warentest hat modellhaft errechnet, wie groß die Versorgungslücke zwischen den tatsächlichen Pflegekosten und den staatlichen Leistungen aus der Pflegeversicherung ist. Bezogen auf eine Pflege durch Fachkräfte zu Hause beträgt die Lücke bereits 530 Euro in der Pflegestufe I. In der Pflegestufe II fehlen 1.270 Euro und in der Pflegestufe III gar 2.320 Euro (Gesamtergebnisse in: Finanztest 5/2013).

Die Modellrechnung von Finanztest zeigt: Die Pflegekosten sind fast immer höher als die gesetzlichen Leistungen. Wer später nicht den eigenen Kindern oder dem Sozialamt auf der Tasche liegen möchte, muss sich um eigene Vorsorge bemühen. Reichen Rente und eigene Ersparnisse voraussichtlich nicht aus, hilft eine private Pflegezusatzversicherung. Sie ist sowohl in einer ungeförderten als auch einer staatlich geförderten Variante erhältlich.

Ratgeber und Tests zum Thema Pflegeversicherung