PKV-Anbieter gehen auf Distanz zu Billigtarifen

Viele PKV-Billigtarife werden erheblich teurer oder ganz gestrichen

Das passiert nicht oft: Verbraucherverbände empfehlen Unternehmen, die Preise zu erhöhen. Bei den so genannten „Billigtarifen“ in der PKV ist das aber so. Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass Billigtarife (oder „Einsteigertarife“, wie sie von den Anbietern gern genannt werden) eine echte Kostenfalle sind.

Das Problem: Ein Niedrigpreis-Angebot kann nicht die Leistungen bieten, die Kunden normalerweise von einer privaten Krankenversicherung erwarten. Die Abstriche können gewaltig sein; der Ärger ist da bereits vorprogrammiert. Verbraucherverbände empfehlen deshalb den Anbietern, in ihre Tarife angemessene Zuschläge einzurechnen. So müssten Inflation, medizinischer Fortschritt und höhere Lebenserwartung der Menschen angemessen berücksichtigt werden.

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PKV-Billigtarife: Wenig Leistung für wenig Geld

Um neue Kunden zu locken, verfielen viele PKV-Anbieter in den letzten Jahren auf die Idee, Einsteigertarife anzubieten. Vor allem Gutverdiener zahlen dann oft weniger als in der gesetzlichen Krankenkasse. Was viele Kunden nicht berücksichtigten: Die von den PKV-Billigtarifen gebotenen Leistungen dümpeln auf einem extrem niedrigen Niveau. Einige Beispiele zeigen, was Kunden bei manchen Billigtarifen erleben können:

  • Arzthonorare werden nur bis zu einem niedrigen Gebührensatz erstattet. Bei einer Mehrberechnung des Arztes muss der Patient also draufzahlen.
  • Für Zahnarztrechnungen gibt es eine jährliche Höchstgrenze.
  • Psychotherapie wird ausgeschlossen.
  • Keine Übernahme von Heilmitteln (Krankengymnastik und ähnliches).

Viele PKV-Anbieter erhöhen Tarife oder stoppen Billigangebote

Eine zusätzliche Gefahr bei Billigtarifen besteht in möglichen Kostenexplosionen im Alter. Tarife für teilweise unter 200 Euro Monatsbeitrag lassen sich – selbst bei niedrigem Leistungsniveau – nicht langfristig aufrechterhalten. Das haben viele Versicherer erkannt und ziehen bereits jetzt die Notbremse: Sie erhöhen 2012 kräftig die Preise. Eine Untersuchung des Analysehauses Franke und Blomberg ermittelte Preiserhöhungen von teilweise über 20 Prozent, etwa beim Einsteigertarif V323S2 der Central Krankenversicherung. Mindestens elf Unternehmen erhöhen die Einsteigertarife um über zehn Prozent.

Einige Unternehmen gehen noch konsequenter zu Werke: Sie verkaufen überhaupt keine Billigtarife mehr. So hatte beispielsweise die DKV bereits im Sommer 2011 angekündigt, ab 2012 solche Tarife nicht mehr anzubieten.

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Das sollten Kunden beachten

Kunden sind generell gut beraten, sich nicht in scheinbar günstige PKV-Billigtarife locken zu lassen. Zum einen handeln sie sich vielfach ein Leistungsangebot ein, das noch unter dem Niveau der gesetzlichen Krankenkassen liegt. Zum anderen ist das Risiko sehr groß, dass sie im Laufe der Jahre immer mehr draufzahlen müssen. Hohe Selbstbehalte können zusätzlich tiefe Löcher ins Portmonee reißen. Schlimmstenfalls können Kunden die Beiträge gar nicht mehr aufbringen: Mit dieser Situation sehen sich mittlerweile immer mehr PKV-Anbieter konfrontiert.

Tipp: Wer die Regeln kennt, kann aber im Einzelfall auch mit einem Einsteigertarif gut fahren. Das betrifft zum Beispiel junge Selbständige, die sich guter Gesundheit erfreuen und ihr Geld vor allem ins Unternehmen stecken wollen. Für sie kann ein Billigtarif eine akzeptable Lösung sein. Sie sollten aber unbedingt darauf achten, dass ihr Tarif eine Option für die Umstellung auf einen Normaltarif enthält – und zwar ohne erneute Gesundheitsprüfung.

Zu allen Fragen rund um die PKV beraten unabhängige Fachleute jeden Interessenten gern und ausführlich. Ein erfahrener Experte wird jeden Kunden vor sehr billigen PKV-Tarifen mit mangelhaften Leistungen warnen: Er weiß, dass ein gutes Leistungsangebot auch seinen Preis hat.

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