PKV: So gelingt der Tarifwechsel

Was man beim PKV-Tarifwechsel beachten sollte

PKV-Beiträge können einem im Laufe der Zeit regelrecht über den Kopf wachsen. Doch es gibt Möglichkeiten, die Kosten nicht ins Uferlose steigen zu lassen. Zum Beispiel ein Tarifwechsel beim eigenen Versicherer. Darauf besteht sogar ein gesetzlicher Anspruch.

Nach § 204 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) können Privatversicherte jederzeit in einen anderen Tarif ihres Versicherers wechseln. Bedingung: Der neue Tarif muss einen gleichartigen Versicherungsschutz aufweisen, also beispielweise Krankenhausleistungen, ambulante Leistungen und Zahnleistungen beinhalten. Dabei bleiben sämtliche Rechte erhalten, die aufgrund des vorherigen Versicherungsverlaufs entstanden sind; deshalb bestehen auch die Alterungsrückstellungen bei einem Tarifwechsel weiter.

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Leistungskürzungen verringern den PKV-Beitrag

Bevor beitragsüberforderte PKV-Kunden einen Tarifwechsel beantragen, können sie zunächst einmal einen Versuchsballon starten. Der Ballon heißt „Leistungsverminderung“. Das funktioniert ganz einfach: Man stellt eine schriftliche Anfrage an den Versicherer, ob einzelne Leistungen zugunsten einer Beitragssenkung gekürzt werden können.

Denkbar ist zum Beispiel ein Zweibettzimmer im Krankenhaus statt des vereinbarten Einbettzimmers. Auch verminderte Leistungen beim Zahnersatz (beispielsweise von 75 auf 65 Prozent) können den Beitrag drücken. Manche Versicherungen sehen die Erstattung von Arzthonoraren im Krankenhaus bis zum 5-fachen Gebührensatz vor; das ist in der Regel unnötig und bietet eine weitere Sparmöglichkeit.

Wer sich mit seinem PKV-Anbieter auf diese Weise einigt, geht den Weg des geringsten Widerstands und kann auf eine deutliche Senkung des Tarifbeitrags hoffen. Doch nicht immer kommen beide Seiten zusammen. Gut, dass es dann Plan B gibt: einen Tarifwechsel.

Tarifwechsel: Verringerte Leistung oder Selbstbeteiligung

Bei Plan B schreibt der Kunde seinem Versicherer einen Brief und bittet ihn um Nennung aktueller Tarife, deren Leistungsbereiche der bereits bestehenden Police entsprechen. Handelt es sich dabei um einen Tarif mit niedrigeren Beiträgen, muss der Kunde bei bestimmten Zusagen mit Abstrichen rechnen.

Wer auf keinen Fall Leistungseinschränkungen hinnehmen möchte, kann direkt nach einem Tarif mit Selbstbeteiligung fragen. Damit lässt sich – insbesondere bei guter Gesundheit – eine Menge Geld sparen. Oft winken sogar Beitragsrückerstattungen.

Vor allem im höheren Lebensalter sollte man beim Tarifvergleich die Eigenanteile in die Kalkulation einbeziehen. Am einfachsten teilt man dafür den Eigenanteil durch zwölf und addiert ihn dann zum monatlichen Betrag. So erhält man die Gesamtbelastung und kann Vergleiche anstellen. Eines ist allerdings in keinem Fall möglich: die Eigenbeteiligung zu verringern, wenn man krank wird. Es handelt sich also um eine Einbahnstraße.

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Unisex muss nicht besser sein

Pläne, von Bisex- auf Unisex-Tarife umzustellen, verlaufen ebenfalls nur in eine einzige Richtung – Umkehr ausgeschlossen. Zwar hat jeder Altkunde das Recht, seinen bisherigen Bisex-Vertrag auf einen anderen Bisex-Vertrag umzustellen; ebenso kann er von seiner Bisex-Police zu einer Unisex-Police wechseln; ist er aber erst einmal bei Unisex gelandet, muss er da auch bleiben.

Die Entscheidung für Unisex sollte deshalb sorgfältig überdacht werden. Unterm Strich ist die neue Police für Männer in der Regel ohnehin ungünstiger, da männliche Versicherte in den Altverträgen aufgrund geringerer Krankheitskosten günstigere Tarife bekamen.

Aber auch für Frauen bringt die Neuregelung nicht zwingend Vorteile: Viele Versicherer reagieren auf die anhaltende Niedrigzinsphase und sehen deshalb bei den neuen Unisex-Tarifen erstmals einen geringeren Rechnungszins vor. Dieser Zinssatz gibt Auskunft, wie hoch der Versicherer den Beitragsanteil für die Altersrückstellungen verzinst. Nach vielen Jahrzehnten Stillstand senken ihn viele PKV-Unternehmen bei den Unisex-Angeboten von 3,5 auf 2,75 Prozent. Für die Tarifkalkulation bedeutet das: Es wird teurer.

Tipps für Wechselwillige

  • Verhandeln Sie mit Ihrem Anbieter über Leistungsreduktionen! Auch ein Selbstbehalt kann vereinbart werden.
  • Werden die Beiträge unerschwinglich, beantragen Sie einen Wechsel mit der Aufnahme in den Standard- oder Basistarif! Beide Tarife ähneln in punkto Kosten und Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung.
  • Bestehen Sie auf Ihrem Recht auf einen Tarifwechsel! Seien Sie hartnäckig, fragen Sie schriftlich an und setzen Sie Fristen!
  • Notfalls können Sie den Ombudsmann (www.pkv-ombudsmann.de) der privaten Kranken- und Pflegeversicherung einschalten.

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