Kann sich ein Tarifwechsel in der PKV lohnen?

PKV-Kunden sollten sich vor einem Tarifwechsel gut informieren

Das Thema sorgt immer wieder für Unruhe unter Privat-Versicherten: Beitragserhöhungen in der PKV. Vor allem ältere Versicherte müssen mit Steigerungen rechnen, die je nach Tarifstruktur drastisch sein können. In manchen Fällen – aber keineswegs immer – ist ein Tarifwechsel die passende Lösung.

Während in der gesetzlichen Krankenversicherung Tariferhöhungen gleichzeitig alle Versicherten treffen, sind Beitragssteigerungen in der PKV eher eine individuelle Angelegenheit. Eine große Rolle spielt dabei die Zugehörigkeit zur jeweiligen Tarifgemeinschaft. Wer in einem Tarif mit vielen älteren und kranken Versicherten steckt, muss fast zwangsläufig mit drastischen Beitragssteigerungen rechnen. Umso wichtiger ist es, die Chancen eines Tarifwechsels auszuloten.

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Billigtarife meiden

Es gibt PKV-Anbieter, die wirtschaften so günstig, dass Tariferhöhungen moderat bleiben. So stiegen beispielsweise die Tarife „PIT, Esprit“ und „PIT, Esprit X“ vom Deutschen Ring in den letzten zehn Jahren nur um 1,8 bzw. 0,4 Prozent jährlich (Beispiel bezogen auf 50-jährige Frauen). Andere Versicherte mussten dagegen nach diesem Zeitraum das Doppelte des früheren Beitrags überweisen.

Das Problem dabei: Bei Vertragsabschluss lässt es sich meist schwer vorhersehen, wie sich die Tarifgruppe entwickelt. Grundsätzlich gilt allerdings, dass bei billigen Einsteigertarifen spätere Beitragserhöhungen geradezu vorprogrammiert sind; um Niedrigstangebote sollten Kunden also möglichst einen weiten Bogen machen.

Wichtiges Thema: Altersrückstellungen

Wer einen ungünstigen Tarif erwischt hat, wird früher oder später über einen Tarifwechsel nachdenken. Dabei ist Vorsicht angesagt: Wer einfach einen Tarif bei einem anderen Anbieter wählt, verliert meistens seine angesparten Altersrückstellungen. Unter Umständen hat er sich dann selbst ein Bein gestellt und ist nach dem Tarifwechsel nicht günstiger gestellt als vorher.

Lediglich der Wechsel in den Basistarif eines anderen Anbieters erlaubt zumindest teilweise die Mitnahme der Altersrückstellungen. Gerade diese Altersrücklagen sind es, die im fortgeschrittenen Alter für einigermaßen bezahlbare Beiträge sorgen sollen.

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Kunden müssen informiert werden

Wer innerhalb seines Versicherungsunternehmens einen Tarifwechsel vornimmt, profitiert von einer besonderen gesetzlichen Regelung seit 2009: Er kann seine Altersrückstellungen im Falle eines Tarifwechsels komplett mitnehmen. Wenn die Beiträge – vielleicht auch aufgrund von Änderungen der persönlichen Verhältnisse – zu hoch werden, lohnt es sich also, erst einmal bei seinem Vertragsanbieter nach Alternativen zu fragen. Dabei ist oft eine gehörige Portion Hartnäckigkeit vonnöten, denn viele Anbieter forcieren einen gewünschten Tarifwechsel nicht eben.

Die Hinhaltetaktik mancher Unternehmen hat allerdings ihre Grenzen. PKV-Versicherer sind nämlich mittlerweile verpflichtet, jedem Wechselwilligen ausdrücklich Alternativen zu nennen. Der Kunde hat also ein Recht auf Auskunft. In der Regel erhält er allerdings nicht alle Optionen genannt; die Unternehmen beschränken sich auf eine Auswahl. Erscheinen dem Kunden die Informationen zu dürftig, kann er beim Versicherer nachbohren – oft mit Erfolg.

Bei einem Tarifwechsel in ein vergleichbares Angebot desselben Versicherers benötigt man keine erneute Gesundheitsprüfung. Anders verhält es sich, wenn Mehrleistungen vereinbart werden: In diesem Fall wird eine eingeschränkte Gesundheitsprüfung durchgeführt, die sich auf die konkreten Mehrleistungen bezieht. Wer also einen höheren Anteil der Versicherung beim Zahnersatz wünscht, wird nicht um einen Gesundheits-Check seiner Zähne herumkommen. Sind allerdings in den Vorjahren anderweitige Erkrankungen aufgetreten, werden diese nicht berücksichtigt.

Kommt es beim Tarifwechsel zu Risikozuschlägen für bestimmte Mehrleistungen, hilft manchmal ein Verhandeln mit dem Versicherer. Zur Not können auch unabhängige Stellen eingeschaltet werden, zum Beispiel der Ombudsmann der PKV.

Für wen lohnt sich am ehesten ein Tarifwechsel in der PKV?

Grundsätzlich kommt ein Tarifwechsel zu einem anderen PKV-Unternehmen vor allem für jüngere Kunden in Frage, die noch wenig Altersrückstellungen gebildet haben. Wer also in den ersten fünf Jahren nach Vertragsabschluss mit seinem Versicherer unzufrieden ist, kann zum Tarifwechsel greifen..

Für Ältere lohnt sich eventuell ein „interner“ Tarifwechsel; man bleibt dann bei seinem gewohnten PKV-Anbieter und behält die Altersrückstellungen..

Da es ab Ende 2012 nur noch Unisex-Tarife geben wird, kann sich ein Tarifwechsel für Frauen lohnen. In der Regel zahlen PKV-versicherte Frauen heute – aufgrund der höheren Lebenserwartung – mehr als Männer..

Ob sich ein Tarifwechsel lohnt, kann man sich auch von unabhängigen Beratern durchrechnen lassen. Experten kennen oft besonders günstige Tarife, die der Wechselwillige von seinem Versicherer gar nicht erfährt.

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