Private Berufsunfähigkeitsversicherung – bedingter Schutz vor dem Ruin

Die Türsteher des Clubs „Private Berufsunfähigkeitsversicherung“ lassen noch lange nicht jeden rein

Es kann ganz schnell passieren, etwa durch einen schweren Unfall. Es kann sich aber zum Beispiel im Falle einer immer schwerer werdenden Erkrankung hinziehen. Am Ende steht das gleiche vernichtende Resultat: Man kann seinem Beruf nicht mehr nachgehen. Eigentlich soll eine private Berufsunfähigkeitsversicherung zumindest die finanziellen Folgen abmildern.

Eigentlich. Denn viele private Versicherungsanbieter schieben schon relativ kleine Wehwehchen vor, um interessierten Privatkunden die so wichtige Berufsunfähigkeitsversicherung zu verweigern. Diesem Geschäftsgebaren will Professor Wolfgang Römer einen Riegel vorschieben: Er fordert einen Annahmezwang für BU-Versicherer. Damit zieht Römer Parallelen zum Basistarif in der Krankenversicherung, für die es seit einiger Zeit eben diesen Annahmezwang gibt.

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Die faktische Unmöglichkeit, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen

Als ehemaliger Versicherungsombudsmann weiß Römer, wovon er spricht. „Die Absicherung der Berufsunfähigkeit ist unbestreitbar nötig, denn dabei steht die wirtschaftliche Existenz auf dem Spiel“, formulierte er bei einer Tagung des Bundes der Versicherten in Timmendorfer Strand. Römer geht sogar so weit und spricht im Zusammenhang mit bestimmten Gruppen gar von einer faktischen Unmöglichkeit, sich gegen Berufsunfähigkeit zu versichern. Zu diesen zählt er Personen mit ADS, Diabetes, Schlafapnoe oder sogar Legasthenie. Selbst wer etwa im Rahmen einer Paartherapie schon einmal psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen hat, wird von vielen Versicherern abgelehnt.

Kontrahierungszwang könnte ein passendes Modell sein

Die Versicherer versäumen dabei nicht, einfach ganze Berufsgruppen – etwa die Friseure – über einen Kamm zu scheren. Da werden Statistiken herangezogen, gegen die der individuelle Gesundheitszustand schon keine Rolle mehr spielt. Wieder einmal wird der Ruf nach Vater Staat laut, um Betroffenen den Weg in die private Berufsunfähigkeitsversicherung zu ebnen. Eine Pflichtversicherung, verbunden mit einem Kontrahierungszwang, könnte ein passendes Modell sein – ähnlich der Kfz-Haftpflicht: Hier ist jedes Fahrzeug zwangsversichert, in erster Linie um die Interessen Dritter zu schützen. Übertragen auf das Thema Berufsunfähigkeit müsste also jeder Erwerbstätige eine BU-Police abschließen, und die Versicherungen müssten jeden Interessierten aufnehmen.

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Begrenzte Leistungen machen die private Berufsunfähigkeitsversicherung erschwinglich

Die Durchsetzung einer Pflichtversicherung hält Professor Römer allerdings für problematisch. Ein für alle Seiten Erfolg versprechendes Modell könnte nach seiner Auffassung so aussehen: Eine freiwillige private Berufsunfähigkeitsversicherung für alle, die sie wollen, mit einem Kontrahierungszwang für alle Versicherer, die BU-Policen anbieten. Damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, empfiehlt Römer Leistungsbegrenzungen, wie etwa die Einführung von Karenzzeiten oder die Beschränkung des Versicherungsschutzes auf elementare Risiken. Ein gesunder Kompromiss, bei dem der Club „Private Berufsunfähigkeitsversicherung“ ganz ohne Türsteher auskommen würde.