Kosten für die private Krankenversicherung können im Alter explodieren

Bei der privaten Krankenversicherung auf die Kostenbremse treten

Der Wechsel in die private Krankenversicherung (PKV) ist seit 2011 wieder einfacher. Es genügt, wenn Arbeitnehmer ein Jahr lang mehr als die Versicherungspflichtgrenze (49.500 Euro) verdienen. Ein Wechsel sollte aber gut überlegt sein: Die Kosten für die PKV können im Alter rasant ansteigen.

Vor allem bei niedrigen Einsteigertarifen heißt es aufgepasst. Billige Tarife sind ein beliebtes Mittel, um Kunden die „günstige private Krankenversicherung“ schmackhaft zu machen. So gibt es schon für rund 80 Euro zahlreiche Angebote auf dem Markt. Experten raten allerdings, sich die Versicherungsunternehmen vor Vertragsabschluss genau anzusehen. Es gibt zahlreiche Kenndaten, mit denen sich die Spreu vom Weizen trennen lässt.

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Tariferhöhung nur bei Kostensteigerung von mehr als zehn Prozent Pflicht

Steigen die Kosten eines privaten Krankenversicherers um fünf Prozent, darf er die Tarife anpassen. Ab zehn Prozent Kostensteigerung muss er das sogar. Für den Kunden ist das kaum durchschaubar, da er die Kostenstruktur seines Anbieters nicht kennt. Ein böses Erwachen kann es für ihn vor allem dann geben, wenn der Versicherer einige Jahre Kostensteigerungen von knapp zehn Prozent hatte, die Tarife aber (zum Beispiel aus Wettbewerbsgründen) stabil hielt: Dann kann es zu einer saftigen Tariferhöhung von beispielsweise 50 Prozent kommen. So zahlt ein Kunde plötzlich statt 200 Euro vielleicht 300 Euro monatlich. Das ist bitter – zumal ein Wechsel des Anbieters für viele Kunden kaum in Frage kommt: Sie würden nämlich dann einen Teil ihrer Altersrückstellungen verlieren.

Medizinischer Fortschritt kostet viel Geld

Das Dilemma der privaten Krankenversicherung: Die Entwicklung der Prämien im Alter ist schwer kalkulierbar. Die Altersrückstellungen dienen lediglich dazu, dass Prämien nicht altersbedingt steigen. Andere Kostensteigerungen hingegen müssen durch die Anpassung der Prämien aufgefangen werden. Vor allem der medizinische Fortschritt ist teuer. Die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden und neuer Medikamente ist extrem aufwändig; das alles muss von der Versichertengemeinschaft mitbezahlt werden. Immerhin werben die private Krankenversicherungen ja auch genau mit dem Argument, ihren Kunden den Zugang zu medizinischen Spitzenleistungen zu ermöglichen. Freie Arzt- und Krankenhauswahl ist ein großes Plus der PKV – und hat natürlich ihren Preis.

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Wird die private Krankenversicherung zu teuer, gibt es Lösungen

Die privaten Krankenversicherungen reagieren inzwischen auf die Problematik der unkalkulierbaren Kostensteigerungen. Neben ihren Spitzentarifen mit keinen (oder geringen) Leistungsausschlüssen gibt es abgespeckte Varianten. Dann sind die Tarife niedriger, aber der Kunde muss auch mit Leistungseinschränkungen leben. Viele Versicherer bieten außerdem Selbstbehalte an, durch die der Monatsbeitrag niedriger ausfallen kann. Weitere Sparmöglichkeit: Reicht ein Kunde ein Jahr lang keine Rechnung ein, erhält er bei manchen Anbietern bis zu drei Monatsbeiträge zurück.

Wenn alle Stricke reißen, ist auch der so genannte Basistarif noch eine Variante. Kosten und Leistungen orientieren sich hierbei an der gesetzlichen Versicherung. Wer heute eine private Krankenversicherung abschließt, kann später jederzeit in diesen Basistarif wechseln. Dabei darf er sogar den Anbieter wechseln. Die Altersrückstellungen können – zumindest teilweise – zum neuen Versicherer mitgenommen werden.

Beratung tut not

Im Dschungel der Krankenversicherungen ist eine individuelle Beratung unerlässlich. Experten können anhand verschiedener Kennzahlen beurteilen, ob ein PKV-Anbieter solide arbeitet und damit auch die Beitragssteigerungen voraussichtlich moderat bleiben. Fachleute bewerten Versicherungsunternehmen unter anderem nach

  • Sicherheit,
  • Geschäftserfolg,
  • Beitragsstabilität in den letzten Jahren,
  • Kundenorientierung,
  • Wachstum am Markt.
Die Zusammenschau dieser Faktoren ergibt eine zumindest einigermaßen verlässliche Prognose für die zukünftige Beitragsstabilität.

Fazit: Beim Vergleich zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung können die Privaten vor allem durch höhere Leistungen und ihre Leistungsgarantie punkten. Bei einem sehr günstigen Einsteigertarif muss der Kunde wissen, dass Spitzenleistungen auf Dauer kaum zum Schnäppchenpreis erhältlich sind. Gerade in diesem Fall muss er also mit erheblichen späteren Tarifanpassungen rechnen.