Private Krankenversicherung: weniger Zinsen für Altersrückstellungen

Private Krankenversicherer müssen Rechnungszins für Altersrückstellungen anpassen

Die andauernden Niedrigzinsen auf den Kapitalmärkten reißen jahrzehntelang bestehende Mauern ein. Nun geht es auch dem Rechnungszins für Altersrückstellungen an den Kragen: Viele private Krankenversicherer haben ihn bereits von 3,5 auf 2,75 Prozent gesenkt. Der Grund: Sie erwirtschaften nicht mehr genug Geld, um die Rückstellungen höher zu verzinsen.

Der Rechnungszins ist eine wichtige Größe für die Kalkulation privater Krankenversicherungstarife. Er gibt den Zinssatz an, mit dem die Altersrückstellungen in der PKV verzinst werden. In den vergangenen Jahren klappte das ganz gut: Die Branche erwirtschaftete mit ihren Kapitalanlagen regelmäßig mehr als 3,5 Prozent Zinsen.

So konnte sie den seit Jahrzehnten bestehenden Rechnungszins von 3,5 Prozent mühelos bedienen. Entstehende Überschüsse kamen als „Überzins“ zu 90 Prozent den Versicherten zugute. Auch wenn die Überschüsse im Sinkflug sind, gilt dieses Prozedere weiterhin.

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BaFin kontrolliert Rechnungszins für Alterungsrückstellungen

Am Rechnungszins beißt sich die Branche mittlerweile die Zähne aus. Die niedrigen Zinsen auf den Kapitalmärkten sind schuld daran: Es wird immer schwieriger für die privaten Krankenversicherer, die Altersrückstellungen mit 3,5 Prozent zu verzinsen. Längst erreichen nicht mehr alle Gesellschaften diese Vorgabe.

Da kommt die BaFin ins Spiel: Die staatliche Aufsichtsbehörde kontrolliert regelmäßig, ob die Versicherer ihre Zusagen auch halten können – sprich: ob sie genug Zinsen erwirtschaften, um ihren Kunden den Rechnungszins für Altersrückstellungen gutzuschreiben.

Um das festzustellen, rechnen Mathematiker der Deutschen Aktuarvereinigung ganz genau nach. 2013 fanden sie heraus, dass 18 Unternehmen die Vorgaben nicht schafften: Die ermittelten Werte lagen zwischen 2,86 und 3,48 Prozent – also unter den geforderten 3,5 Prozent. Folge: Die betroffenen Unternehmen müssen ihren Rechnungszins absenken.

Auch Bestandskunden sind betroffen

Die Branche hat diese Entwicklung kommen sehen. Schon zu Beginn des Jahres 2013 senkten fast alle Anbieter den Rechnungszins bei den neuen Unisextarifen auf 2,75 Prozent. Die Hallesche preschte dabei noch weiter vor: Sie ging gleich auf 2,5 Prozent runter. Einige wenige private Krankenversicherer blieben zwar noch bei 3,5 Prozent. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie dem Trend folgen.

Auch langjährige Vertragsinhaber könnten zunehmend betroffen sein. Dabei dürfte es sich zwar nicht um einen solchen Tiefschlag wie im Neukundenbereich handeln. Aber wahrscheinlich werden etliche Anbieter den Rechnungszins in Höhe von 3,5 Prozent nicht langfristig garantieren können, wenn die Niedrigzinsphase anhält.

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Auswirkungen auf die Kunden privater Krankenversicherer

Der veränderte Rechnungszins für die Altersrückstellungen hat erhebliche Auswirkungen auf die Tarife: Nicht nur Neuverträge verteuern sich, sondern auch Bestandskunden müssen tiefer in die Tasche greifen. Experten schätzen, dass eine Verringerung des Basiszinssatzes um 0,1 Prozent eine Beitragssteigerung um circa 0,8 Prozent bewirkt. Senkt ein privater Krankenversicherer den Rechnungszins also beispielsweise von 3,5 auf 3 Prozent, so würde der Beitrag um etwa vier Prozent steigen.

Erschwerend kommt hinzu: Die Zinsen stehen in einer langen Reihe weiterer Belastungsfaktoren. Vor allem der teure medizinische Fortschritt und die immer höhere Lebenserwartung der Versicherten lassen die Preise stetig steigen. Der veränderte Basiszins für die Altersrückstellung ist nun das i-Tüpfelchen.

Was können Kunden tun?

Niemand sollte in Panik geraten und übereilt handeln. Für Bestandskunden gilt: Eine Vertragsauflösung ist meist die schlechteste Lösung. Eher bietet sich ein Tarifwechsel an. Wer auf einige Zusatzleistungen wie Einbett-Zimmer oder Chefarztbehandlung verzichtet, spart bereits viel Geld.

Für Neukunden bieten sich zwei Optionen an:

  • Wahl eines beitragsstabilen Anbieters: Manche Gesellschaften richten ihre Kapitalanlagen sehr langfristig aus. Sie sind von den derzeitigen Niedrigzinsen – zumindest vorerst – weniger betroffen. Die Beiträge sind bei ihnen insgesamt stabiler. Zu solchen Gesellschaften zählen die Debeka, Signal Iduna und Alte Oldenburger.
  • Wahl eines Einsteigertarifs: Normalerweise ist bei abgespeckten Tarifen Vorsicht angesagt. Die Leistungen sind oft gering und die Beiträge können später exorbitant steigen. Manchem Kunden sind aber die „normalen“ Anfangsbeiträge zu hoch. Wer sich deshalb auf einen preisgünstigeren Einsteigertarif einlässt, sollte auf eines unbedingt achten: Der spätere Wechsel in einen „normalen“ PKV-Tarif ohne erneute Gesundheitsprüfung muss problemlos möglich sein.
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