Unversicherte dürfen sich „europäisch“ krankenversichern

Europäische Krankenversicherer vor allem für Unversicherte interessant

Krankenversicherer aus dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) dürfen ihre Policen auch auf dem deutschen Markt anbieten. Das kann für Menschen, die sonst unversichert bleiben würden, ein echter Ausweg sein. Interessenten sollten sich allerdings zunächst mit den nötigen Informationen eindecken.

Der Europäische Wirtschaftsraum umfasst dreißig Staaten. Zu den 27 EU-Staaten gesellen sich Norwegen, Island und Liechtenstein. Nach einer europäischen Richtlinie dürfen Krankenversicherungsunternehmen aus diesen Ländern ihre Leistungen grundsätzlich in allen angeschlossenen Staaten anbieten. Damit solche Policen auch von deutschen Versicherern anerkannt werden (beispielsweise als Folgeversicherungsnachweis), müssen sie den Regelungen zur deutschen Versicherungspflicht genügen; diese sind im Versicherungsvertragsgesetz festgelegt (VVG § 193 Abs. 3).

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Unversichert kommt unverhofft

Seit 2009 besteht in Deutschland eine allgemeine Versicherungspflicht. Private Krankenversicherungen können niemandem kündigen, der seine Beiträge nicht bezahlt. Hat ein Kunde aber bereits vor 2009 einen Vertrag abgeschlossen, fällt er nicht unter den Kündigungsschutz. Bereits nach wenigen Monaten Zahlungsverzug kann er plötzlich völlig unversichert dastehen.

Läuft es ungünstig, nimmt ihn keine gesetzliche Pflichtversicherung auf – oft schon deshalb, weil die notwendigen Vorversicherungszeiten fehlen. Aber auch PKV-Anbieter verweigern Beitragssäumigen oft eine neue Police, was nachvollziehbar ist. Um der Versicherungspflicht zu genügen, muss der unversicherte Kunde sich also nach Alternativen umsehen – und die kann er bei europäischen Nachbarn finden.

Europa ist nicht nur für Unversicherte von Interesse

Vor allem für drei Zielgruppen sind die Angebote von EWR-Dienstleistern besonders interessant:

  • Personen, die derzeit (trotz allgemeiner Versicherungspflicht) unversichert sind,
  • gesetzlich Versicherte, die nach Beitragsrückständen nur noch minimalen Versicherungsschutz genießen und oft noch zusätzlich von Strafzahlungen betroffen sind und
  • Privatversicherte, die in Beitragsrückstand geraten sind. Auch diese Personengruppe muss sich oft bei den Ansprüchen bescheiden: PKV-Unternehmen stufen Beitragssäumer gerne einmal in den „Basistarif“ ein, der niedrige Leistungen und Beiträge vorsieht.
EWR-Angebote kommen also keineswegs nur für Unversicherte in Frage. Sind sie aber für Menschen ohne jeden Versicherungsschutz oft der einzige Ausweg, bieten sie für die anderen genannten Zielgruppen lediglich eine interessante Alternative.

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EWR-Vertrag genügt als Krankenversicherungsnachweis

Wer als Privatversicherter zu einem EWR-Unternehmen wechseln will, stellt sich häufig die Frage: Wird die gewünschte Police als vollwertiger Versicherungsschutz anerkannt? Wechselwillige benötigen nämlich für die Kündigung des alten Vertrages einen Nachversicherungsnachweis.

Manche privaten deutschen Krankenversicherer zieren sich, ihre europäischen Kollegen als vollwertigen Ersatz anzuerkennen. Gelegentlich spricht die Aufsichtsbehörde BaFin dann ein Machtwort: Nach ihrer Auffassung müssen die deutschen Privatversicherer auch einen EWR-Vertrag als Folgeversicherungsnachweis akzeptieren. Na bitte!

Gleichwohl lauern in EWR-Policen auch Gefahren. So drohen europäische Krankenversicherungen in späteren Jahren wesentlich teurer zu werden als ihre deutschen Pendants. Das liegt an den fehlenden Altersrückstellungen. Niedrige Einstiegstarife mögen deshalb noch so verlockend sein – im Alter kann die Weiterführung des Vertrags zu einer echten Herausforderung werden.

Außerdem leisten die EWR-Versicherer zwei Jahre lang für keine schweren Erkrankungen, die innerhalb der letzten fünf Jahre vor Vertragsabschluss begonnen haben. Für chronisch Kranke – zum Beispiel Diabetiker – ist das ein echtes Dilemma. Dazu kommt: Auch entsprechende Folgeerkrankungen sind für den Zeitraum von zwei Jahren nicht abgesichert.

Lieber europäisch oder deutsch?

EWR-Versicherungen können durchaus eine Alternative sein - beispielsweise für Unversicherte, denen hohe Nachzahlungen drohen. Mancher Interessent erfüllt zwar auch die Zulassungsvoraussetzungen für eine deutsche Krankenversicherung, muss aber für vorherige Zeiten ohne Versicherungsschutz deftige Nachzahlungen leisten. Das blüht Unversicherten im privaten ebenso wie im gesetzlichen System.

Auch wer durch die engen PKV-Raster fällt, findet notfalls Zuflucht bei europäischen Mitbewerbern. Dabei kann es sich zum Beispiel um Patienten handeln, die eine Psychotherapie absolviert haben und deshalb von deutschen Unternehmen abgelehnt werden oder kräftig draufzahlen sollen. EWR-Anbieter hingegen unterstützen ihre Kundschaft vorbehaltlos, sobald die zweijährige Wartezeit abgelaufen ist.

Fazit: Für die genannten Gruppen kann sich der Blick auf europäische Angebote lohnen. Die anderen fahren mit leistungsstarken deutschen PKV-Anbietern besser. Bei Interesse sollte man auf jeden Fall einen unabhängigen Fachmann zu Rate ziehen.

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