Vereinzelte „Billigheimer“ trüben PKV-Image im Vergleich zur GKV

Neue PKV-Empfehlungen: Private sollen im Vergleich zur GKV nicht schlechter abschneiden

Ein entscheidender Vorteil der privaten im Vergleich zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) besteht im hochwertigeren Leistungsangebot. Um die Wettbewerbsposition zu sichern, hat der PKV-Verband Mindestkriterien erarbeitet. Diese Standards sollen von den einzelnen Anbietern nicht unterboten werden. Verpflichtend sind sie allerdings nicht.

Die Idee zu einem Mindestkriterien-Katalog kommt nicht von ungefähr: Die privaten Krankenversicherer befürchten insbesondere durch Billiganbieter einen gewissen Imageverlust. Manche derzeit angebotenen Tarife liegen in ihren Leistungen deutlich unter dem Niveau der GKV. Wenn sich Medien einzelne schwache Angebote herauspicken, färbt das auf die ganze Branche ab. In der Öffentlichkeit entstehen Zweifel, ob die PKV überhaupt besser als die GKV ist. Eine Arbeitsgruppe des PKV-Verbands erarbeitete deshalb Mindestkriterien für zunächst drei Bereiche: Hilfsmittel, ambulante Psychotherapie und Entwöhnungsbehandlungen.

Tarif-Check Private Krankenversicherung

Die besten Tarife von mehr als 40 Versicherern im Vergleich!

Kostenloser Infoservice:
Tarif-Vergleich Private Krankenversicherung anfordern …

Offener Katalog für Hilfsmittel

Handlungsbedarf sieht die PKV-Arbeitsgruppe unter anderem im Bereich der Hilfsmittel. Zurzeit sehen etliche private Tarife einen geschlossenen Hilfsmittelkatalog vor. Dies ist im Vergleich zur GKV nicht gerade ein Plus. Dort erhält jeder Patient ein Hilfsmittel, wenn der Arzt es verordnet und es im GKV-Hilfsmittelverzeichnis aufgelistet ist. Wenn medizinisch notwendig, können die Kassen auch Hilfsmittel zusagen, die nicht im Katalog enthalten sind.

Die PKV-Arbeitsgruppe empfiehlt folgerichtig für privat Versicherte einen offenen Katalog, wobei jeder Anbieter Einzelleistungen begrenzen kann. Sind Hilfsmittel als Gebrauchsgegenstände verwendbar (zum Beispiel orthopädische Schuhe), so wird eine Eigenbeteiligung des Patienten vorgeschlagen. Die GKV verfährt in solchen Fällen ähnlich: Sie fordert grundsätzlich einen Eigenanteil des Patienten.

Bei Psychotherapie und Suchtbehandlung sollte kein PKV-Unternehmen unter GKV-Niveau rutschen

Auch im Leistungsbereich „ambulante Psychotherapie“ ist die Private Krankenversicherung bestrebt, im Vergleich zur GKV ein zumindest gleichwertiges Profil abzugeben. Als Standardleistung werden mindestens 50 Sitzungen pro Jahr vorgeschlagen. Die gesetzlichen Kassen bieten bei der psychotherapeutischen Behandlung Richtgrößen an, die sich zwischen 45 und 160 Stunden bewegen – je nach Therapieform.

Auch beim Thema „Suchtbehandlungen“ besteht Nachholbedarf bei PKV-Mindestleistungen. Die gesetzlichen Kassen erlauben alle vier Jahre eine (neue) Behandlung. Die PKV-Arbeitsgruppe empfiehlt die generelle Zusage für drei Behandlungen während der Vertragslaufzeit. Im Vergleich zur GKV ist das noch eher wenig. Aber die Anbieter können natürlich über diese Mindeststandards hinausgehen.

Vorsorge-News jetzt auch bei
Facebook, Twitter & Google+
+++ Berufsunfähigkeit & Dienstunfähigkeit: Übersicht aller Beiträge – Seit +++ Altersvorsorge: Indexfonds schlagen Rentenversicherung & Co. +++ Berufsunfähigkeitsversicherung: sinnvolle Kriterien für die Auswahl +++

Beim Vergleich nicht nur auf Preis schauen

Die Formulierungen der Arbeitsgruppe haben vor allem ein Ziel: Das Image der PKV soll nicht unter vereinzelten Billiganbietern leiden, die mit Niedrigstpreisen werben, dabei aber leistungsmäßig weit unter GKV-Niveau agieren. So gesehen ist der Ansatz nachvollziehbar, Mindestanforderungen zu formulieren, die nicht weit von den GKV-Standards entfernt sind.

Ein Problem allerdings besteht: Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe sind nur Empfehlungen. Es ist nicht zu erwarten, dass alle privaten Krankenversicherer sie übernehmen. Gerade Anbieter, die sich bei Vergleichen vorzugsweise durch Niedrigpreise profilieren, werden die Forderungen kaum erfüllen (können).

Umso wichtiger ist es für Kunden, einen soliden und individuell geeigneten PKV-Anbieter zu finden. Beim Vergleich sollten Kunden deshalb Preis und Leistung gleichermaßen berücksichtigen und sich von einem erfahrenen und unabhängigen Experten beraten lassen.

Verwandte Themen