Riester-Gebühren: mehr Transparenz gefordert

Vorsicht vor versteckten Kosten in Riester-Verträgen

Zweifellos: Riester ist ein Erfolgsmodell. Zehn Jahre lang sind Riester-Produkte auf dem Markt. Inzwischen haben die Deutschen mehr als 14 Millionen Verträge abgeschlossen. Dennoch herrscht nicht nur eitel Sonnenschein: Mangelnde Transparenz verärgert viele Kunden. In der Kritik stehen insbesondere die undurchschaubaren Kosten.

Forderung an die Riester-Anbieter: Macht die Kosten transparenter!Riester-Kosten: Zwei neue Kennziffern sollen für Klarheit sorgen

Um einen Überblick zu gewinnen, hat das Finanzministerium eine Studie in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse liegen mittlerweile vor – auf 342 Seiten. Das beauftragte ZEW (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) kommt zum Schluss: „Die gegenwärtige Transparenz auf dem Markt für Riester-Produkte wird insgesamt als unzureichend eingeschätzt.“ Im Detail geht die Studie sowohl auf die Frage der Kosten als auch auf weitere Haken und Ösen in den Verträgen ein. Das ist vor allem deshalb wichtig, da Riester-Produkte von ihrem Anspruch her eine einfache und klare Altersvorsorge für jedermann sein sollten.

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Erstmal die Zulagen sichern!

Einen ersten Hinweis auf mögliche Probleme gibt eine überraschende Zahl: Laut Statistik versäumt es jeder Dritte, rechtzeitig einen Antrag auf Förderung zu stellen. Zulagen gibt es bei Riester nur bei entsprechender Beantragung; diese kann aber sogar noch zwei Jahre rückwirkend erfolgen. Dennoch haben die Sparer bislang rund 500 Millionen Euro verschenkt, da sie auf Zulagen verzichteten – aus welchen Gründen auch immer. Experten mutmaßen, dass die jährliche Überprüfung der Angaben auf Richtigkeit viele Sparer überfordert. Dafür gibt es aber einen Tipp: Ein Dauerzulagenantrag nimmt Aufwand ab und sorgt jedes Jahr automatisch für die Beantragung der Fördergelder.

Hohe Kosten drücken die Rendite

Die ZEW-Studie hält sich aber nicht nur mit Gedankenspielen zu verpassten Zulagen auf. Sie nimmt sehr konkret die Kosten von Riester-Verträgen ins Visier. Da liegt noch einiges im Argen. Vieles spricht dafür, dass die Kosten häufig überhöht sind. ZEW zitiert einen Banker mit den Worten: „Da werden Kosten ausgewiesen, die sind jedes Jahr höher als die erlangten Zulagen.“ Bei solchen Befunden überrascht es nicht, wenn die Renditen bisweilen in den Keller rutschen. Auch wenn alle Prognosen naturgemäß unsicher sind: Hohe Gebühren und Kosten drücken das Endergebnis in jedem Fall.

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Die wichtigsten Kosten bei Riester-Verträgen

Ganz konkret gefragt: Welche Kosten werden dem Riester-Kunden eigentlich aufgebürdet? Eine „Handvoll“ Gebühren sind praktisch immer mit dabei:

  • Abschlussgebühren: Bei Versicherungen werden sie meist auf fünf Jahre verteilt, bei Fonds heißen sie „Ausgabeaufschlag“. Wohn-Riester: ein Prozent der Bausparsumme. Tipp: Bei Banksparplänen entfallen Abschlussgebühren!
  • Kontoführung: Darunter fallen zum Beispiel Kosten für die Buchhaltung. Bei Fondsanbietern sind solche Gebühren in die „Managementgebühr“ integriert.
  • Verwaltungsakte: Oft wird ein Pauschalbetrag für die Anlage der Akte erhoben.
  • Performancegebühr: Ein Lieblingskind der Fondsanbieter. Man versteht darunter eine zusätzliche Vergütung, die sich am Erfolg der erwirtschafteten Rendite orientiert.
Hinzu kommen unter anderem noch Gebühren, die viele Anbieter in der Auszahlungsphase erheben.

Zwei neue Kennziffern sollen für Klarheit sorgen

Manche Anbieter genehmigen sich hier und da weitere Aufschläge, die für den Kunden kaum durchschaubar sind. Kein Wunder, dass der Ruf nach mehr Kostentransparenz immer lauter wird. Das ZEW-Gutachten macht einen präzisen Vorschlag:

„Zur Steigerung der Kostentransparenz von Altersvorsorgeprodukten wird die Angabe einer zusammengefassten Kennzahl „Renditeminderung“ („Reduction in Yield“) für die Ansparphase und die Angabe einer Kostenquote, bezogen auf die Auszahlungen in der Rentenbezugsphase, vorgeschlagen.“

Die beiden Kennzahlen erleichtern dem Sparwilligen einen genauen Vergleich mehrerer Anbieter. Auf dieser Grundlage kann er die für ihn günstigste Lösung finden. Der Kunde erkennt auf einen Blick, wie viel am Ende tatsächlich für ihn herausspringt – und genau das will er auch wissen. Die ersten Versicherer haben bereits ihre Bereitschaft signalisiert, solche Kennzahlen auszuweisen. Ihre Kunden wird’s freuen.